Freitag, 23. März 2007

Wenn die Eltern alt werden...

...werden sie nicht unbedingt vernünftiger! Nun, damit meine ich diesmal nicht "uns" als Eltern, sondern wirklich "unser" Eltern.
Auf jeden Fall muss ich für meine Mutter (fast 80!!!) in naher Zukunft ein paar neue Wege finden. Ich glaube ich muss dazu aber ein wenig weiter ausholen:
Meine Mutter, wie gesagt fast 80, aber so gesehen eigentlich noch topfit (geistig wie auch körperlich, mal abgesehen von einer künstl. Hüfte , Herz-Rhythmus Störungen und Sehproblemen). Ihr Problem jedoch, sie kann eben nicht mehr alles so wie es früher mal ging. Seit ihrer Hüft OP haben wir Kinder schon dafür gesorgt, dass ein Gartenteam sich um ihren Garten (1000 m²!) kümmert und einmal in der Woche eine Reinemachfrau das Gröbste erledigt. Soweit so gut! Man könnte also sagen so funktioniert's!

Jaaa, klappt auch, solange meine Mutter nicht von so einem dämlichen Magen-Darm-Virus aus den Puschen gehauen wird. Das war am Sonntag nämlich der Fall! So, unsere Generation würde sich ins Bett hauen, alles stehen und liegen lassen und die Sache auskurieren und sich denken, tja alles andere läuft schon irgendwie! Aber die Generation meiner Mutter ist da anders. Da muss immer alles picobello sein und wehe es stehen mehr als drei Tassen (schmutzige wohlgemerkt!) auf der Spüle! Nun ist aber das Problem, wenn einen mit fast 80 ein Magen-Darm-Virus erwischt, dann geht eben nix mehr. Und das hat meine Mutter in den letzten Tagen wahnsinnig gemacht. Sie lag da und machte sich verrückt wegen ein bisschen Wäsche und Spülkram. Nun muss ich allerdings erwähnen, dass ich die Wäsche (fünf Slips, drei Hemden, ein paar Socken!?) schon mitgenommen hatte und mein Bruder (der noch bei ihr wohnt) sich um den Spülkram gekümmert hat und sie sich eigentlich keine Gedanken deswegen zu machen bräuchte! ABER: Es läuft eben nicht so, wie es bei ihr seit Jahren läuft!!! Und das diese Gedanken nicht gerade förderlich für die Genesung ihres ohnehin angegriffenen Magens sind, könnt ihr euch denken!

Die Folge: Es wurde immer schlimmer und ich musste sie gestern mit fürchterlichen Magenschmerzen (und nervlich ziemlich am Ende) ins Krankenhaus bringen. Dort wurde sie komplett auf den Kopf gestellt. Alle Organe super in Ordnung, nur eben der Magen nicht, da machen sie heute noch ein Spiegellung. Die wird wahrscheinlich "nur" eine Magenschleimhautentzündung ergeben, als Folge ihrer Nervosität!
Ich will nun aber eigentlich gar nicht die Krankengeschichte hier erzählen, sondern, dieses Phänomen, dass meine Mutter sich (solange sie zuhause ist) fürchterliche (unbegründete!) Sorgen um ihren Haushalt macht und dass man, sobald sie im Krankenhausbett liegt wirklich sehen kann, wie diese Sorge von ihr abfällt (wirklich so: aus den Augen - aus dem Sinn!). Ich hoffe ihr versteht, wie ich das meine. Ein Beispiel verdeutlicht die ganze Sache vielleicht: Als ich dann gestern mit ihr jammernd zum Arzt fuhr, wirklich nur noch ein Häufchen Elend, sagt sie im Auto plötzlich zu mir: " Ach, jetzt hab' ich dem Jürgen (das ist mein Bruder) vergessen zu sagen, dass er die braune Mülltonne raussetzen muss!" Da frage ich euch: Ist das normal???? Mal ganz davon abgesehen, dass mein Bruder natürlich die Tonne nach draussen gestellt hatte, als ich ihn abends anrief!

Nun aber zurück zum Anfang: Es müssen neue Wege für die Zukunft gefunden werden, auch wenn meine Mutter noch fit ist und sie noch vieles im Haushalt erledigt bekommt, muss ich ihr klarmachen, das sie diese Dinge früher oder später in andere (unsere oder fremde) Hände geben muss und das sie eben einfach akzeptieren muss, dass Tassen erst gespült werden, wenn derjenige die Zeit dafür hat und nicht wenn sie meint, dass es die Zeit dafür wäre. Nur wie mache ich ihr das klar????

Vielleicht habt ihr ja ein paar hilfreiche Tipps, falls nicht auch nicht schlimm, ich musste mir dies nur einfach mal von der Seele schreiben. Mir geht es nun schon ein wenig besser, die restlichen Sorgen werde ich dann am Wochenende in irgendwelchen Nähprojekten verarbeiten, denn das hilft ungemein!!!

Und DANKE für's zuhören!

Gruß Uschi

Kommentare:

  1. Liebe Uschi,

    Du schreibst mir aus der Seele.
    Leider habe ich auch noch kein Patentrezept gefunden, bei mir sind es meine Großeltern, die furchtbar eigensinnig sind, denen man nix recht machen kann, die alles selber machen wollen...
    Aber man sollte sich rechtzeitig Gedanken machen, - nur, wie bringt man das rüber?

    Ratlose Grüße,
    Sabine

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  2. Hallo Uschi,
    Ich bin noch nicht in dieser Situation und kann Dir daher auch keine Ratschläge geben :((
    Aber ich wünsche Dir für die Zukunft alles erdenklich gute. Ich denke, Du wirst schon die richtigen Entscheidungen treffen. So aus dem Bauch heraus....

    Viele liebe Grüße

    Christina

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  3. Liebe Uschi! Leider sind es immer die jendigen, die man am meisten liebt und vertraut, denen man am meisten wehtut. zuerst sind es die Eltern, die unter den Kindern "leiden" müssen und irgendwann sind es die Kinder, die unter den Eltern leiden müssen. Warum das so ist?
    Keine Ahnung.
    Man kann es den "Pflegebedürftigen" aus ihrer Sicht nicht recht machen. Sie sind so "gedemütigt" und wütend auf diese Situation, dass sie nciht "in Ruhe" darüber reden möchten. ich denke, dass Aussenstehende da mehr bewirken können(also bezüglich dem klarmachen) wenn sie es akzeptiert haben, dann wird es leichter. meine Oma, die Oma meines Mannes, unsere Opas....bei allen war es so. Ich wünsche Dir viel kraft.

    LG sandra

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  4. Ich habe mit meinen Eltern sehr früh darüber gesprochen, meinen Eltern war es sehr wichtig das alles geregelt ist.Sie haben eine Anonyme Grabstelle und eine Patientenverfügung.Vielleicht kannst du deiner Mutter ja ein offenes Gespräch führen, in dem du deine Zukunft regelst. Also gar nicht über ihre Situation sprichst sondern über deine und wie du es mit deinen Kindern handhaben möchtest wenn du "alt" bist.Ich meine wer läßt sich schon gern sagen das er zu Dingen nicht mehr in der Lage ist obwohl er sie Jahrzehnte lang erledigt hat?Ich denke mit älteren Menschen muß man genau so sensibel umgehen wie mit Kindern. Was hält deine Mutter eigentlich von Senioren WG´s? Bei uns gibt es Wohnhäuser wo nur Senioren wohnen.Sie leben in eigen Verantwortung, bekommen Mittags auf Wunsch ihr Essen geliefert.Die grobe Reinigung übernimmt eine Firma. Falls es jemandem Gesundheitlich schlecht geht kommt eine Betreuerin. Außerdem gibt es Notfall Knöpfe.Ansonsten ist es eine ganz normale Wohnung.
    Ich wünsche dir das ihr eine schnelle und gute Lösung findet*daumendrück
    Liebe Grüße Yvonne

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  5. Liebe Uschi,

    mein Opa wird im Juli 90 Jahre alt,
    lebt allein und treibt meine Mutter
    in den Wahnsinn. Jedenfalls bisher.
    Drei Töchter, davon eine die weiter
    weg wohnt, eine die sich nicht interessiert und eine die sich den Ar... aufreisst. Opa ist ein Sturkopf der seine Gesundheit ignoriert und manchmal bockig wie
    ein 9 jähriger ist.(Herztabletten werden genommen wenn das Herz Beschwerden macht und nicht etwa regelmäßig wie es der Arzt anordnet!, nur als EIN Beispiel)
    Endlich haben sich alle drei Töchter zusammengesetzt, beraten, Opa unter Druck gestzt (mit dem
    Altersheim gedroht...) und einen Pflegedienst beauftragt. Endlich!
    Jetzt braucht sich meine Mutter keine Sorgen mehr machen, das er
    sich mit seinen Herztabletten umbringt oder stundenlang hilflos auf der Erde liegt... (Er trägt jetzt ein Notrufarmband!)
    Ja, es ist nicht leicht mit den Älterwerdenden!
    Ich wünsch Dir und Deinen Geschwistern viel Kraft und Nerven und eine Lösung vor allen Dingen!
    Liebe Grüße
    Miriam

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  6. Oh Uschi,
    ich kenne es auch.Nur wir wohnen zusammen mit meiner Mutter und sie kann nicht mehr.Dafür kann sie mir aber stets sagen ,das muss noch gemacht werden-dies könntest du noch schaffen-da liegt ein Faden-Unkraut im Garten- usw. usw.
    Manchmal bin ich selbst am Ende und weiß nicht mehr weiter.
    Ich wünsche dir Kraft und Durchhaltevermögen.
    GLG
    Claudia

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