Dienstag, 15. Juli 2008

Das französische Urmeter...

...wird in Sèvres bei Paris aufbewahrt. Aber seit unserem Urlaub in den Cevennen sind mein Mann (seines Zeichens Vermessungsingenieur!!!) und ich uns einig, das französischen Urmeter muss in den Cevennen um einiges länger sein. Aber langsam, schön der Reihe nach, wie kommen wir zu diesem Eindruck.

Also am 28.6. war unser Auto gepackt und irgendwann in den frühen Morgenstunden machten wir uns auf den Weg etliche Kilometer in den Süden. Dazu fuhren wir einmal quer durch die Niederlande, quer durch Belgien, an Paris vorbei, weiter Richtung Clermont-Ferrand. Alles überhaupt kein Problem, flüssiger Verkehr (sogar um Paris!!!), keine quengelnden Kinder (dank neuer Hörspiel für den CD-Spieler!), gut ausgebaute Autobahnen auf denen nicht gerast und gedrängelt wird.

Nach ca. 1100 km Autobahn waren wir unserem Ziel schon recht nahe. „Nur noch“ 50 km auf Nebenstrassen und wir wären am Ziel. „Kinder nun dauert es nur noch ein halbes Stündchen, dann sind wir da!“ Ohje, DAS hätte ich besser nicht gesagt. Diese 50 km gingen zunächst durch die Georges le Tarn und später dann entlang der Georges de la Jonte. 50 km sind 50 km, oder eben auch nicht, denn für diese 50 km haben wir dann nämlich noch satte 60 Minuten gebraucht. Nachdem wir einmal Millau hinter uns gelassen hatten, gab es rechts und links der Strasse nur noch Schluchten und tiefe Täler oder bizarre hoch aufragende Felsformationen. Zugegebenermaßen „traumhaft schön“, aber nach etlichen Stunden Fahrtzeit beschleicht einen da doch das Gefühl: Da kommt nichts mehr! Ab und zu mal ein verlassenes Gehöft, oder ein kleiner Weiler, aber sonst nichts was darauf schließen lässt, dass da noch so etwas wie ein Campingplatz oder eine kleine Stadt kommen könnte. „Ähm, Schatz, WAS hast du denn da dieses Jahr gebucht?“, war zwischenzeitlich schon die bange Frage meines Mannes.

Nach, ich weiß nicht wie vielen, Rechts- und Linkskurven, immer schön bergauf, endlich ein Schild „Le Capelan“ 5 min! AHA, man gibt hier die Entfernung in Minuten an – seeehr sinnvoll!!! Aber immerhin, diese Zeitangabe stimmt und endlich erreichten wir unseren super schönen, kleinen, familiären Campingplatz (auf dem nicht einmal so viele „Campinis“ standen, wie ihr in den letzten Wochen bei Sabine geordert habt – vielen Dank übrigens dafür!!!). Endlich am Ziel!

Und ja, es stimmt: Wildromantische Täler, tiefe Schluchten, reizende Dörfer mit bodenständigen Menschen und steppenartige Plateaus bilden eine atemberaubende Szenerie weit abseits jeglicher Stadthektik! (Quelle: Polyglott Reisebuch "Südfrankreich)

Dieser Satz trifft die Beschreibung unseres diesjährigen Urlaubsortes wie die Faust auf's Auge. Besonders „WEIT abseits“ ist wirklich wörtlich zu nehmen. Okay, das nächste Städtchen ist zwar zu Fuß zu erreichen, hat aber mit 1045 Einwohnern nur annähernd die Größe unseres Dörfchens. Zwei Lebensmittelläden á la „Tante Emma“ werden uns in den nächsten 14 Tagen mit dem nötigsten versorgen müssen, denn der nächst größere Supermarkt befindet sich in Millau – da bekommt ein „Schatz, ich bin dann mal eben Einkaufen!“ eine vollkommen andere Bedeutung! Und „Mama, bringst du uns Eis mit?“, wird schon ein wenig schwierig, denn selbst mit gut durchgekühlten Kühlakkus in der Kühltasche, dürfte das Eis nach einer Stunde Fahrtzeit doch eher die Konsistenz von Pudding angenommen haben!

Gut, offen gestanden, wir brauchten ein paar Tage um uns an diese „Wildromantik“ zu gewöhnen, aber dann hat sie uns doch mir ihrem Charme voll überzeugt. Der Erholungswert war wirklich genial und habt ihr schon mal richtige „Stille“ erlebt. Also wirklich, ich meine so ganz still, kein Autogeräusch irgendwo in weiter Ferne oder ähnliches, sondern absolut kein Geräusch, außer vielleicht ein wenig Wind in den Bäumen und ein leises Plätschern des Baches. Das umfing uns - 14 Tage lang!

Und dennoch, bei allem was wir in näherer Umgebung versucht haben zu erreichen – das französische Urmeter MUSS einfach länger sein. Obwohl? Die Kilometeranzeige unseres Autos stimmte meist mit der angegebenen Entfernung überein. Ob es daran liegt, das wir ein französisches Auto fahren????

Hier nun noch ein paar Bilder zu dem, was ich versucht habe in Worte zu fassen. Die Auswahl ist mir schwer gefallen, aber alle Bilder zeigen – das wäre zu viel verlangt!




So, ich denke euer Kaffee ist mal wieder kalt oder schon längst zu Ende!

Viele Grüße

Uschi

Kommentare:

  1. Schön,daß du wieder zurück bist und uns so tolle Urlaubsfotos mitgebracht hast!Ja, wenn man Urlaub hat, vergeht die Zeit scheinbar noch schneller!

    LG Steffi ,
    die es immer noch nicht geschafft hat ein "Campini" zu nähen....aus Zeitgründen ;O((

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  2. Hallo Uschi,

    wunderschöne Urlaubsbilder!
    Die Bilder strahlen schon soviel Ruhe aus, das man/frau als Betrachter sich schon gut diese Stille vorstellen kann!
    Ach...am liebsten jetzt auf nach Frankreich!

    LG Linda

    ...und deine UdineVersion gefällt mir sehr gut und steht dir ausgezeichnet, mal etwas weiblicher gekleidet zu sein(ich hoffe du verstehst wie es gemeint ist)!

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  3. Oh,
    schön das Sie wieder zurück sind !!!
    Zeit hin oder her.....
    aber hier bei Ihnen gibt es einfach immer die "ganz besonderen Geschichten" die so was von toll geschrieben sind !!!
    LG und schöne Woche
    Anke

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  4. Hallo Uschi,
    ihr hattet ja einen wunderschönen Urlaub. Sieht toll aus dort, bestimmt richtig erholsam. Das mit den letzten Kilometern haben wir vor 2 Jahren in Ligurien erlebt. Lt. Wegbeschreibung war das Ferienhaus nur noch 5 Km entfernt, allerdings 5 km, die es in sich hatten *g*.

    Grüße Alexandra

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