Freitag, 21. November 2008

Also ich habe GESCHICHTE nie gemocht!

Aber wenn ihr unbedingt wollt und man hier und hier überall so nett um eine Geschichte gebeten wird, ja, dann werde ich euch natürlich auch mit meiner Nähgeschichte langweilen (oder etwa doch nicht?). Aber KURZ is' nicht!


Also angefangen hat alles hiermit:


Auf diesem guten alten Schätzchen habe ich angefangen nähen zu lernen. Meine Mutter gab mir ein Stück Papier erst mal mit geraden Linien, später dann mit Kurven, viel später malte ich mir ganze Labyrinthe auf's Blatt. Dies alles habe ich sorgsam nachgenäht.
Irgendwann habe ich mich dann auch an das Nähen von Stoff getraut. Meine Künste beschränkten sich in diesen Jahren allerdings mehr auf das Flicken meiner heißgeliebten Jeanshosen. Man bedenke ich bin Jahrgang 66 und ich bekam mit ca. 10 Jahren meine erste echte Jeanshose (Boah!), die war natürlich heilig und wurde häufig getragen. Irgendwann hatte sie aber ein Loch, welches meine Mutter noch sorgsam geflickt hat, dann ein weiteres welches sie auch noch flickte, nur irgendwann nahm die Zahl der Flicken so rasant zu bis es dann hieß: "Das ist nur noch ein Fetzen, den flicke ich nicht mehr!" Also musste ich selbst an die Arbeit (weiß Gott keine schöne!). Ich glaube ich konnte nachher im Schlaf die Seitennaht auftrennen und einen weiteren Flicken aufbringen.
Nun, irgendwann passte die Hose nicht mehr und fiel auch wirklich auseinander, aber es gab' Nachfolgemodelle...

Wie einige von euch sicher noch in Erinnerung haben, war ich ja auf einem reinen Mädchengymnasium (ohje!) und klar, da war der Unterricht natürlich auch von Handarbeit geprägt. In den ersten Jahren lernte man Häkeln und Stricken, aber ich glaube so im 8. Schuljahr ging es dann an die Nähmaschinen. Gute alte Pfaff Nähmaschinen, ich meine alle noch mechanisch, also mit Schwungrad zum Treten. Auch da fingen wir an erst mal auf Papier zu nähen, dann auf Stoff und zum Schluss gab es sogar einen Rock. Winzig kleine rote Streublümchen auf blauem Untergrund, den Stoff werde ich nie vergessen (man war der hässlich!). Daraus wurde ein im Bund gekräuselter Rock mit Reißverschluss an der einen Seite und Seitennahttasche an der anderen Seite. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie meine Einstellung, als überzeugte "Jeanshosen-ewig-bis-zum-Auseinanderfallen-Trägerin" zu diesem Rock war und wo er letztendlich gelandet ist. Schade, wieso hat man mir da nicht beigebracht sinnvolle Sachen zu nähen wie z.B. Handytaschen (okay die gab es damals noch nicht, also die Handys!) oder kuschelige Bealas (okay, Sabine, zwar ein paar Jahre älter als ich, war wohl noch nicht ganz so weit!?).

Weiter ging es dann auf der BFH (BerufsFachschule für Hauswirtschaft und Ernährung). Klar, dass da auch Nähen mit auf dem Stundenplan stand. Da muss ich jedoch lobend erwähnen, wurden mir wirklich die Grundtechniken des Nähens beigebracht. Wir haben davon eine Mappe erstellt, in der ich heute ab und zu noch blättere. Hier mal zwei Beispiele, was die Zubereitung und Verarbeitung eines Schrägstreifens angeht.



Okay, heute nähe ich den Schrägstreifen auch anders an. Würde ich es nämlich so machen wie ich es gelernt habe, wäre ich z.B. beim Versäubern eines Lagunarockes sicherlich drei Tage am Stück beschäftigt (stecken, nähen, andere Seite stecken, reihen, nähen....). Aber dennoch, da habe ich richtig viel gelernt, unter anderem auch das knappkantige absteppen und das ordentliche arbeiten. Außerdem wurden doch recht nützliche Dinge genäht, z.b. ein schöner Matchsack, den ich viel benutzt habe und Kleidung die man auch getragen hat. Danach habe ich dann auch vermehrt angefangen für mich und auch für meinen (damals noch nicht) Mann zu nähen.

Dann kam das Studium und das Haus und für's Nähen blieb wenig Zeit. Als die Kinder jedoch aus dem Gröbsten 'raus waren fuhr ich eines Tages nach langer Zeit mal wieder nach Nijmegen zum Stoffmarkt. Eigentlich suchte ich günstigen Stoff zum Besticken der Adventsbeutelchen für unseren gestickten Adventskalender. Den fand ich auch, aber ich fand auch meinen allerersten Roos Schnitt 2079. Die Hose mit dem Bogensaum fand ich so super klasse, die musste ich unbedingt für Julia nähen. Und damit fing das "Elend" (???) an. Kurze Zeit später fand ich bei Karteris in Oosterhout einen wahren Fundus an Roos Schnittmustern und meine Sammlung wurde komplettiert. Die Suche nach Schnittmustern wurde auch bei ebay erfolgreich und zum Leidwesen meines Geldbeutels fortgesetzt. So wollte ich irgendwann unbedingt die BizzKids haben in der dieses Schnittmuster zu finden ist:

(das ist übrigens Julia Ende 2003!)

Ich sag' euch jetzt nicht was ich für das Heft bezahlt habe!
Logisch, dass ich dann auch irgendwann bei meiner Suche auf farbenmix Schnittmuster stieß. Und weil ich ein alter Geizkragen bin, habe ich mein erstes auch nicht bei Sabine selber bestellt (sorry Sabine!) , sondern über ebay ersteigert. "Dortje" war das erste Schnittmuster einer neuen Sammlung, von der auch ich ziemlich schnell überzeugt war, dass es ratsam sei sie zu komplettieren. Pfiffige Schnitte, einfach zu nähen, tolle Tipps im Internet und ein kleiner KLICK für die Menschheit, aber ein großer KLICK für mich.
Denn der KLICK in die Galerie hat aus heutiger Sicht schon mein Leben verändert. Habe ich vor Jahren nach dem Frühstück schön brav meine Hausarbeit begonnen, geht heute mein erster Schritt (wenn die Kinder aus dem Haus sind) an den Compi und ich starte meine Lieblingsseite, um für den Tag inspiriert zu werden. Das was ich da zu sehen bekomme, macht mich glücklich, gab mir gerade in der ersten Zeit Mut Dinge auszuprobieren, die ich so vielleicht nicht gewagt hätte. Von allem nahm ich ein bisschen mit, gab mein eigenes dazu und ich behaupte sagen zu können, mittlerweile bin ich bei meinem eigenen Stil angelangt. Vieles von den kleinen Schnittmuster habe ich (wie ihr ja wisst) auch auf große übertragen und es macht mich glücklich diese Sachen zu tragen und es macht mich glücklich diese Sachen an meinen Kindern zu sehen und es macht mich stolz, wenn man so ab und zu verstohlene Blicke anderer Eltern mitbekommt oder ein geflüstertetes: "Boah, wie toll ist das denn!".

Was mich aber eigentlich noch mehr freut ist die Vielzahl Bekanntschaften und auch Freundschaften die sich in den letzten drei Jahren daraus ergeben haben. Freundschaften, die weit über das nähtechnische hinausgehen....

Erwähnenswert ist an dieser Stelle aber auch, dass ich bei Sabine immer auf ein offenes Ohr gestoßen bin. Offen für Kritik jeglicher Art, offen für Fragen bezüglich des Nahens, aber auch offen für Ideen...
Das ich in der Tat mal mit Sabine "zusammenarbeiten" würde, hätte ich damals, als ich ihr erstes Schnittmuster kaufte, nicht für möglich gehalten. Manchmal ist es einfach schon spannend welche Weichen einem das Leben stellt!!!
Und nun warte ich mal ab, wohin mich der Zug noch führen wird...

Ein Satz zum Schluss: Ohne farbenmix und KuB hätte ich sicher hier und da mehr Zeit und sicherlich mehr Platz im Haus (weil es weniger Klamotten und weniger Stoff zu finden gäbe!), aber eben auch ein bedeutendes Hobby weniger und glücklicher könnte ich sicher nicht sein!!!

Gruß Uschi (die euch gewarnt hatte!!!)

Kommentare:

  1. Uschi, ICH war schon damals "soweit", es bestanden nur nicht die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten und Hannover war zu weit von Kranenburg weg....lach...

    Liebe grüße und vielen Dank für die ausführliche Geschichte
    Sabine

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  2. @Sabine: Ja, wenn ich DAS geahnt hätte!!!

    Gruß Uschi

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  3. Liebe Uschi,

    das ist eine wunderschöne Geschichte. Vielen Dank für's erzählen !!

    Ganz lieben Gruß,
    Chris ... die jetzt Deine Geschichte verlinken geht ;O)

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  4. Go Uschi!

    Das Heftlein ist supertoll!

    Ja, ohne Farbenmix und Sabine Pollehn wäre Nähen nichtmal halb so schön ;-)

    Liebe Grüsse,
    Nancy

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  5. Hallo Uschi!

    Deine Geschichte ist wirklich klasse.
    Ich bin überhaupt keine Leseratte, aber von dir würde ich mir glatt ein Buch kaufen und es von der ersten bis zur letzten Zeile lesen, weil du so toll erzählen kannst.
    Übrigens Uschi sind wir beide gleich alt und auch ich habe an so einer Nähmaschine mit dem Nähen angefangen.

    GLG Frieda

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  6. Liebe Uschi,
    ja, das war jetzt zwar was länger, aber trotzdem spannend.....
    ich lese solche "Geschichten" immer super gerne...

    GLG Nicole

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  7. Liebe Uschi,

    wie ich es schon erwartet habe...eine amüsante Geschichte!
    Und dein Heftchen ist der Hit mit den Zeichnungen...so eine alte Nähmaschine hatte meine Oma in ihrem Flur stehen und wir Kindern durften das Tretpedal immer zu in Bewegung halten!

    GLG Linda

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