Mittwoch, 16. September 2009

An 360 Tagen im Jahr....

... kann ich nun von meinem Nähzimmer diesen Ausblick genießen. Je nach Wetterlage wandelt er sich ständig und wird auch im Laufe der Jahreszeiten immer wieder anders aussehen. Gerade in den letzten Tagen bei der Schlepperei bin ich hier immer mal wieder stehen geblieben, um zu verschnaufen und dem Spiel der Wolken zuzusehen.


Aber wieso nur 360 Tage im Jahr? Bekanntlich hat das Jahr doch 365, manchmal sogar 366 Tage? Nun an fünf Tagen im Jahr müssen wir diesen Anblick ertragen:

(Klick auf's Bild macht es größer!)

In den letzten drei Jahren sind wir davon verschont geblieben, aber seit diesem Jahr ist es wieder so weit, die Dorfkirmes findet direkt vor unserem Haus statt. Leider sind wir so gar nicht für solche Festivitäten zu haben, denn, wenn man das fünf Tage mit angesehen hat, dann findet man es einfach nur noch grausam!

Viele meinen uns würde am meisten die Musik und der damit verbundene Lärm belasten, aber DAS ist gar nicht das Schlimmste, damit könnte ich noch leben. Mal ganz davon abgesehen, dass sie am Freitag und Samstag ja durchaus auch noch akzeptable Musik spielen. Mir ist zwar immer ein Rätsel wie die Leute im Zelt das aushalten, denn bei uns im Wohnzimmer vibrieren zeitweise sogar die Gläser im Schrank. Aber wie gesagt - es ist nicht die Musik. Es ist das Ganze drumherum.

Es fängt in der Nacht von Montag auf Dienstag schon an. Da kommen die Schausteller um 1 Uhr nachts mit ihren LKW auf den Platz gefahren und ich stehe senkrecht im Bett. Diese LKW sind nämlich nicht gerade leise, mal ganz von der anschließenden lautstarken Diskussion um die Platzvergabe abgesehen. Dann wird den ganzen Tag gehämmert, geschraubt und geschrieen und nun, die WORTWAHL dieser Leute ist nicht gerade vorbildlich für eine angemessene Erziehung!
Weiter geht es dann am Freitag - Discoabend! Klar war ich früher auch dabei, klar hatte ich auch Spaß und logisch - ich stand auch nicht den ganzen Abend im Zelt, sondern habe mich auch mal draussen mit meinen Freunden unterhalten. Aber WIR haben uns früher nicht literweise schon mit Wodka und ähnlichen zugedröhnt, um in Stimmung zu kommen. Wir kamen auch mit dem Fahrrad (Auto konnte sich damals keiner leisten!) und stellten das leise irgendwo ab. Wir können froh sein, wenn unsere Einfahrt nicht belagert wird. Neben der Musik, wird also die Geräuschkulisse außen herum recht unangenehm. Laute Gespräche, Autotüren knallen, gröllende Jugendliche! Am Samstag morgen bin ich jedes mal froh, keine Bierleiche oder Überreste davon in meinem Vorgarten zu finden, bin aber den ganzen Tag damit beschäftig Pommesschälchen, Bierflaschen und -gläser aus unserer Hecke zu ziehen. Mal ganz davon abgesehen, dass sich trotz vorhandenem Toilettenwagen ein merkwürdiger Geruch an unserer Hecke verbreitet.
Am Samstag - Sportlerball. Wer in dem Glauben ist Sportler würden sich anders verhalten als die Jugendlichen am Tage zuvor, der irrt leider gewaltig. Der Altersdurchschnitt ist zwar höher, aber der Alkoholpegel mit Sicherheit gleich. Sonntagmorgen - wieder froh sein - keine Bierleiche im Garten. Die Pommesschälchen und Bierflaschen lasse ich diesmal in der Hecke, denn um 12 Uhr beginnt der Dämmerschoppen, da kommen dann sowieso noch welche dazu. Das geht zum Glück nur bis max. 21 Uhr abends, aber die Schützen des hiesigen Vereins sind dem Alkohol natürlich auch nicht abgeneigt (das mag in anderen Vereinen anders sein und es mag auch Schützen hier im Dorf geben, die dem Alkohol nicht so fröhnen). Bereits um 15 Uhr, wenn alle Familien aus dem Dorf mit ihren kleinen Kindern über die Kirmes gehen, zeigt sich mir dann ein Anblick, den ich wirklich nur noch ekelhaft finde! Torkelnde Schützen die nicht mehr geradeaus gucken können und kaum noch zwei Worte hintereinander sprechen können, zwischen sonntagtäglich gekleidetet Familien die eigentlich einfach nur ein bißchen Spaß haben wollen. Vielleicht übertreibe ich auch, das mag am Sonntag an der bereits unterschwellig lauernden schlechten Laune liegen, denn so richtig gut schlafen kann man nicht, dazu den ganzen Sonntag ab 11 Uhr das Düdelüt der Selbstfahrer, in einer Lautstärke - nun ja.
Am Montag dann - endlich mal ein wenig Ruhe bis zum Nachmittag. Da organisieren die Schützen ein Kinderfest. Das, muss man sagen, ist gut! Es gibt Kaffee und Kuchen und für die Kinder wirklich nette "kostenlose" Angebote, wie Hüpfburg,Zöpfe felchten, Schminken etc.
Um 19 Uhr aber erste Vorbereitungen, in diesem Jahr für den Countryabend. Wer bis dato nicht krank zuhause im Bett liegt, der kann hier also erneut auf seinen Level kommen. Erfahrungsgemäß geht das aber nicht sonderlich lang, DENN man muss ja noch ein wenig Kraft haben für den Krönungsball der Schützen am Dienstag! Nochmal Lärm, nochmal Pommesschälchen und Bierflaschen und nochmal torkelnde Schützen in der Nähe unseres Hauses. Die Laune sinkt, wir sind alle etwas angespannt! Dann endlich, man liegt im Bett und "lauscht" noch der Musik bis in die frühen Morgenstunden mit der Gewissheit: Wir haben es fast geschafft! Um 2 Uhr dann Stille - meint man, denn DANN fangen die Schausteller an ihre Zelte abzubrechen - wieder hämmern, schrauben, poltern und fluchen bis man endlich die Lkw abfahren hört. Drei Kreuze im Kalender. GESCHAFFT!!!
Am nächsten Morgen ist der Platz wieder frei - übrig bleibt ein riesiger Berg Müll und jede Menge Glasscherben, die sich in die Fährräder unserer Kinder bohren.

Ihr merkt, wir sind alles andere als begeistert. Drei Jahre ist der Kelch an uns vorrüber gegangen, weil die Kirmes auf einem Platz stattfand wo nun Mais wächst. Die Anwohner dort werden sich riesig gefreut haben. Vor den drei Jahren haben wir das Spektakel immer tapfer durchgestanden, aber in diesem Jahr nehmen wir Reißaus. Freitagmittag bis Sonntagabend werden WIR uns HIER vergnügen. Ich glaube das ist eine weise Entscheidung, zumindest werden wir dann den Montag und Dienstag ein klein wenig besser ertragen.

Gruß Uschi

P.S.: Eines müssen wir aber vorher noch erledigen - das Trampolin in unserem Vorgarten muss abgebaut werden - ihr ahnt es schon, wegen der Bierleichen oder der zu erwartenden Überreste davon....

Kommentare:

  1. ja,....ich kann dich sehr gut verstehen,....bei uns ist 1 mal im Jahr Kirmes,.....und wir wohnen mitten drauf!!!
    Schreeeecklich!!!!
    Macht euch ein ruhiges Wochenende !
    Liebe Grüße
    Karla

    AntwortenLöschen
  2. Das ist mal wieder ein Uschi-Bericht....ich glaube, ich will mir das im Einzelnen nicht weiter vorstellen...mein Mitgefühl und natürlich ist das Erholung im Buntland die beste Alternative.
    Gruß Katrin

    AntwortenLöschen
  3. Noch eins....von den 360 Tagen mußt Du aber auch noch den Urlaub abziehen....*zwinker*
    (ich weiß, das war jetzt nicht das Thema)

    nochmal, Katrin

    AntwortenLöschen
  4. Lol Uschi musste Schmunzeln!! Kann dich gut verstehen!!

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Uschi,

    ich musste auch grad heftig schmunzeln! Jemand der das noch nie selber miterleben "durfte" wird´s vielleicht nicht verstehen, aber auch ich kenne diese Situation. Bei mir war´s damals das Altstadtfest - die Bühne stand direkt unter meiner Fensterreihe und auch hier war das Schlimmste der Alkoholpegel, der das "Benehmen" verdammt vieler so in den Keller sinken lies... Tja und morgens früh fand man neben einem Haufen Müll dann die Überreste der SChnappsleichen vor der Türe (ich meine jetzt die, die entstehen wenn einem so richtig übel nach zu viel Alk ist und zwar von oben und unten *bäh*)

    Ich fühle also mit Euch und wünsche Euch ganz viel Spass in Alkmaar, denn DAS Spektakel ist wirklich schöner anzuschauen, wir dürfen es leider erst nächsten Sommer wieder sehen...

    Ganz liebe Grüsse,

    Sandra

    P.s. Ich fand im übrigen Deinen Text wegen Julias Schulbuch super, denn ich ärgere mich jedes Jahr auf´s neue drüber! Und bei uns sind´s mittlerweile 5 Kinder die zur Schule gehen. Wenigstens haben aber bei uns die Lehrer die selbe Ansicht!

    AntwortenLöschen
  6. Puuuuhh, Dorfschützenfest ... jede Art von Uniformierung macht mir Angst... und wenn's Menschen freiwillig tun finde ich es noch seltsamer.

    Ich hab zwar keine Kirmes um die Ecke, ... aber wollt ihr mich nicht mitnehmen??? ;-)

    Liebe Grüße
    Anne

    AntwortenLöschen
  7. liebe uschi,
    ich kann dich so gut verstehen, denn auch ich wohne im dorf und auch hier gibt es eine kirmes.
    ich finde auch das fest an sich nicht schlimm, nur die menschen, die ihre grenzen nicht kennen... das sind aber auch die gleichen, die an karneval, am sommerfest u.ä. gelegenheiten unangenehm aus der rolle fallen, ekelhaft!!
    und was ich ganz besonders beunruhigend finde, daß da auch ganz viele jugendliche dabei sind...

    lg
    nicole

    AntwortenLöschen
  8. Oh ja, das kenne ich. Wir haben auch jedes Jahr den Weihnachtsmarkt direkt(!) vorm Haus gehabt. Und immer mal eine "Kirmes". Schrecklich. Besonders das Weihnachtsgedudel in repeat :o(
    Ihr habt euch aber ein tolles Ausweichziel gewählt!!!!!
    GLG Eva

    AntwortenLöschen
  9. Mein Mitgefühl hast du. Wir haben auch alle Feiern im Dorf, Schützenfest etc. eine Straße weiter. Da bekommt man auch kein Auge zu. Dem Ganzen kann wirklich nur mit verreisen entgehen. Ich wünsche euch viel Spaß in Alkmaar.

    Liebe Grüße
    Dana

    AntwortenLöschen
  10. Das ist ja witzig. :-) Ich war mir nicht sicher, aber dann habe ich sie (bzw. Ihr Auto) doch tatsächlich in Egmond gesehen. Der Wagen vor uns hatte so einen netten Klasse-Kleckse-Aufkleber drauf. Ich sagte noch zu Herrn Schlafhut: "Das wird doch nicht..."
    Tja, da waren Sie das doch tatsächlich... *lach*

    LG Elke

    AntwortenLöschen
  11. @Schlafhut: JA! Ganz klar, das waren wir!!!

    Egmont und Alkmaar bei strahlendem Sonnenschein.

    War nett nicht wahr?

    Und ja, die Welt ist klein, vermutlich sind wir dann ja in Egmont auch noch aneinander vorbeigelaufen ohne es zu merken;-) Schade!
    Und ulkigerweise habe ich auch noch eine Frau hier aus dem Dorf getroffen.

    Gruß Uschi

    AntwortenLöschen