Montag, 5. April 2010

Verflixt und mitgenäht...(Teil 4)

So, das Shirt nimmt nun langsam Form an. Welche Hürden dabei zu nehmen sind, das wird sich zeigen.

Wir erinnern uns: Ich dachte über einen beherzten Blick in die Bänderkisten nach. Dieser Blick kann schon mal viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich krame und wühle und lege die Bänder die mir passend erscheinen immer wieder auf den Stoff. Dazu wickel ich auch schon mal ein großes Stück ab, so dass das beste Aufbewahrungssystem für Bänder bei mir IMMER in einem Chaos enden wird. Ähnlich wie bei den Stoffe heißt nämlich auch hier die Devise: Mit den Bändern wird "GEarbeitet" auch wenn sie längst nicht alles "VERarbeitet" werden. Für mein Projekt sieht das dann irgendwann so aus. Diese Bänder könnten zum Shirt passen, ob sie jedoch wirklich zum Einsatz kommen - das kann ich jetzt noch nicht garantieren.

Also lege ich die Bänder erst einmal zur Seite (aber noch NICHT wieder in die Kiste!!!)

Genauso unschlüssig bin ich noch bei einem Blick in diese beiden Ordner.


Auf das obere Vorderteil muss irgendetwas draufgestickt werden, das steht für mich fest, denn sonst setzt es sich zu stark ab, von dem doch sehr wild geblümten Hauptstoff. Aber was auf meiner Brust später Platz nehmen wird, diese Entscheidung ist noch nicht gefallen. Ich blättere also ein Weile hin und her, und lege auch diese Ordner erst einmal wieder zur Seite!

Womit setze ich dann meine Arbeit fort? Mit der Bauchtasche - die kann ich ja schon mal vorbereiten. Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass ich die Bündchen noch nicht erwähnt habe. Denn auch hier fällt die Entscheidung recht spontan. Alle Stoffe liegen noch griffbereit und dieser wird von mir ausgewählt um für die Bündchen an der Bauchtasche zugeschnitten zu werden. Da Jersey meist unterschiedlich dehnbar ist, verlasse ich mich nicht auf die angegebenen Maße im Schnitt, sondern sehe sie eher als Richtlinie und schneide meine Bündchenstreifen immer ein kleines Stück länger zu.

Zum Bündchenstreifen schneiden nehme ich mein großes Lineal und den Rollschneider zur Hand - den damit geht es am schnellsten und wie ich finde am genauesten. 5 cm Breite haben sich bei mir bewährt und, weil ich die Bündchen an der Bauchtasche ein wenig pfiffig haben möchte schneide ich sie um 30 ° gedreht zum Fadenlauf zu.

Hier sieht man dann schon mal die Wirkung. Dummerweise laufen an der einen Seite die Streifen eher waagerecht, an der anderen Seite senkrecht. Alles Drehen und Wenden der Streifen hilft nichts, sie laufen immer gegengleich. Das hätte ich vermeiden können, in dem ich den zweiten Bündchenstreifen genau anders herum, also gespiegelt zugeschnitten hätte. "Hätte" - habe ich aber nicht, also bleibt das jetzt so!!! Fertig - keine weitere Diskussion! (jetzt wisst ihr auch warum der Titel hier lautet "VERFLIXT" und mitgenäht - auch bei mir läuft eben nicht immer alles 100 %ig!).
Also schnell weiter in der Verarbeitung! Die Bauchtasche soll an den Eingriffskanten gekräuselt werden. Kräuseln ist eine feine Sache, vor allem, wenn man dafür Hilfsmittel besitzt (die man aber nicht IMMER einsetzen kann). Ich habe nämlich für meine Overlock einen Kräuselfuß. So sieht er aus:

Recht unspektakulär, aber sehr wirkungsvoll. Den tausche ich als erst einmal mit einen "Klick" an meiner Overlock aus. Bevor ich zu kräuseln beginne, muss ich aber ein paar Einstellungen an der Overlock verändern. Die Stichlänge wird auf Maximum gestellt

(oh, ich glaube wir machen demnächst mal einen Lehrgang: WIE entstaube ich meine Overlock???)

dann wird der Differentialtransport nach oben geregelt (das ist ein wenig Erfahrungssache und die Kräuselwirkung ist auch ein wenig vom Stoff abhängig - da hilft nur "probieren geht über studieren"!)


So kräusel ich dann zunächst beide Eingriffskanten von oben bis unten ein. Das sieht dann so aus:


Aber halt, die Kanten sollen doch laut Schnitt gar nicht komplett gekräuselt werden!? Ist mir schon klar, aber so geht es eben schneller;-). Ich stecke mir also den Bereich der gekräuselt bleiben soll mit Stecknadeln ab und an den Enden trenne ich die Overlocknaht einfach wieder auf und lege den Stoff wieder glatt.
Nun nehme ich den Bündchenstreifen zur Hand, lege ihn links auf links und lege ihn so auf die rechte Stoffseite der Tasche. Ich fasse alles zusammen und schiebe es unter den Fuß (jetzt wieder der normale Fuß und die gewohnten Einstellungen der Overlock!!!) der Overlock und nähe den ersten cm fest. Dann dehne (schon recht kräftig!!!) ich den Bund, während ich den Stoff ganz locker unter den Fuß führe.

(die Nadeln ZEITIG entfernen!!!)

Überstehende Bundreste schneide ich schwuppdiwupp mit dem Rollschneider ab.


Die Nahtzugaben der Bündchenstreifen klappe ich nun nach innen (eine gewissenhafte Näherin würde hier sicherlich das erste Mal das Bügeleisen ansetzen - ich spare mir das in den meisten Fällen, was NICHT heißen soll, das man sich das IMMER sparen kann;-)) und steppe sie mit dem Dreifach Zickzackstich meiner Nähmaschine ab, mit folgender Einstellung:


Bei meiner Nähmaschine habe ich mich erst vor kurzem in meinem Obertransportfuß verliebt. Er ist nicht zwingend erforderlich, erleichtert den Transport von Stoffen aber doch erheblich und das Stichbild wird gerade an schwierigen Stellen (wo z.B. Stoffe mehrlagig übereinander liegen) deutlich gleichmäßiger. Ich werde oft gefragt: "Wie schaffst du das so schön gleichmäßig knappkantig und gerade etwas abzusteppen?" Da gibt es einen ganz einfachen Trick. NIE auf die Nadel achten - die macht die Arbeit auch ohne euch! Konzentriert euch auf eine Linie am Füßchen, richtet euren Blick nur darauf!!! Diese Linie lasst ihr nun am Rand eures zu nähenden Teils entlanglaufen - immer schön gleichmäßig. Ich habe hier die Linie mal mit roten Pfeilen markiert

(klick macht es auch größer!)

Die innere Kante des Füßchens läuft in diesem Fall also immer genau über der Ansatznaht des geringelten Stoffes. Die Zickzacknaht entsteht also immer im gleichen Abstand dazu. Welchen Punkt am Füßchen man sich merkt ist abhängig davon, wo man die Naht haben möchte. Wenn ich z.B. Schrägband mit Zickzackstich festnähen möchte lasse ich die Kante des Schrägbandes genau durch die Mitte des Füßchens laufen. Ich hoffe das ist einigermaßen verständlich erklärt???

So, die Nahtzugaben sind nun festgesteppt, die Außenkanten der Tasche versäubere ich nun noch mit der Overlock (bei Jersey nicht zwingend erforderlich- sieht aber netter aus), wobei ich bei der unteren leicht gerundeten Kante den Differentialtransport auch wieder ein wenig höher regle. Denn mit einer leichten Kräuselung lässt sich die Kante später besser einschlagen.


PUH, viel Text nur für die Fertigstellung der Bauchtasche!? Daher ist hier für heute erstmal wieder Schluss, sonst komme ich ja heute gar nicht mehr zum Nähen, und morgen soll es hier doch auch wieder heißen:

Verflixt und mitgenäht....

Gruß Uschi

Kommentare:

  1. Ich finde es super spannend dir bei der Arbeit zuzuschauen. Bei mir herscht immer absolutes Chaos. Ich habe mir meine ganzen Jersey´s und Interlock auf den Tisch gelegt denn ich werde mir auch endlich mal wieder ein paar Shirts nähen. Für meine Kids fällt bestimmt auch noch was ab.
    Bin schon auf das Ergebnis gespannt.

    VLG Karin

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  2. Wieder was gelernt. Ich klappe meist das Bündchen komplett noch einmal nach innen (meines ist dann allerdings auch breiter zugeschnitten).
    Schön zu sehen, dass das auch einfacher geht und trotzdem prima aussieht. Vielleicht sogar ein wenig besser. Danke.

    LG
    Petra

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  3. Hallo Uschi, als sonst stille Mitleserin muß ich mich jetzt auch einfach mal zu Wort melden. Deine genähten Kunstwerke, ja in meinen Augen sind das wirklich Kunstwerke, sind einfach toll! Ich habe leider zwei linke Hände, was "Textilgestaltung" angeht, was habe ich das Fach früher in der Schule gehasst... ;-) An eine Nähmaschine traue ich mich deshalb auch nicht mehr, das wäre bei mir wohl wirklich sinnlos... Jetzt aber hier mal so Schritt für Schritt den Entstehungsprozess zu sehen, ist echt beeindruckend und sehr interessant. Vielen Dank für die Mühe, die Du Dir damit machst! Dir und Deiner Familie wünsche ich noch einen schönen Ostermontag! LG, Polly

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  4. Danke Uschi!

    Habe "theoretisch" in den letzten Tagen bei dir viel gelernt, jetzt muss ich es nur noch umsetzen!
    ...und wenn ich hoffentlich bis Ende der Woche meine Auftraege abgearbeitet habe, steht genau dieses Shirt auf dem Programm. Uebrigens das erste Teil zum Anziehen fuer mich ;-)

    LG,
    nicole

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  5. Hallo Uschi,
    bin schon lange stille Mitleserin deines Blogs und finde diese "Serie" sehr spannnend. Erzählst Du uns irgendwann einmal etwas über deine tolle Stickmusterarchivierung? Ich schaue gerne wieder rein!
    liebe Grüße
    Frauke

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  6. @Frauke: Oh die Stickmusterarchivierung? Ob die SO toll ist??? Aber ich berichte gerne mal darüber...demnächst dann mal...

    Gruß Uschi

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