Sonntag, 11. April 2010

Verflixt und mitgenäht...(Teil 8)

Der heutige Teil steht ganz im Zeichen der Entscheidungen.

Wir erinnern uns: Verschiedene Möglichkeiten für eine Stickerei auf das obere Vorderteil standen zur Auswahl. Eine davon ist es geworden und zwar diese hier:


Bei meiner Stickmaschine (Janome 300e) kann ich mir gleich mehrere Motive in den Rahmen laden (ich denke bei anderen Maschinen geht das auch?) und sie zueinander anordnen. Dabei muss man, wenn sie so überlagert liegen wie hier, darauf achten, dass das Motiv, was an unterster Stelle liegen soll, auch als erstes gestickt wird.
Weiterhin habe ich mich entschlossen, das ganze Stickmuster abernicht direkt auf das Shirt zu sticken, sondern auf den Jersey, den ich auch für die Bauchtasche verwendet habe. Diesen spanne ich dann schön ordentlich in den großen Rahmen...

...und setze die Stickmaschine an die Arbeit. Diese Zeit bleibt bei mir jedoch nicht ungenutzt. Zwar sollte man die Stickmaschine nicht unbedingt aus den Augen lassen, aber ein klein wenig kann man schon nebenher vorbereiten, denn im Laufe der Zeit bekommt man auch ein "Gehör" dafür, wenn die Stickmaschine z.B. lustig OHNE Unterfaden weiter stickt;-)

Da waren doch noch die Bänder, die irgendwo in den Weiten meines Nähzimmers liegen müssten. Drei davon sind auserkoren worden und sollen auf der Bauchtasche befestigt werden.


Dazu zeichne ich mir von der Unterkante mit dem Handmaß und Schneiderkreide (oder Markierstift) eine Hilfslinie, damit das Band auch parallel verläuft. So lege ich das erste Band und die Bauchtasche unter die Nähmaschine und nähe es mit Geradstich fest.

Bei den beiden anderen Bänder verlasse ich mich auf mein Augenmaß, da sie nicht SO weit vom ersten Band entfernt platziert werden sollen. So sieht das Ergebnis aus.

Die Stickmaschine stickt immer noch....

... also kann ich die Bauchtasche auch schon mal auf das Vorderteil aufnähen. Dazu markiere ich mit Stecknadeln sowohl beim Vorderteil, als auch bei der Bauchtasche die Mitte und lege beides übereinander.

Nun klappe ich die Nahtzugaben ein und stecke die Bauchtasche rundherum fest. Bevor ich sie endgültig aufnähe, überprüfe ich mit dem Handmaß rundherum nochmal die Maße zu den Außenkanten.

Dann nähe ich die Bauchtasche auf. Die Enden verriegle ich mit einer schmalen Zickzackraupe, aufgenäht habe ich die Tasche mit dem bewährten Dreifach Zickzackstich.


Inzwischen ist die Stickmaschine auch mit ihrer Arbeit fertig und ich löse den Stoff aus dem Stickrahmen heraus. Mit einem Abstand von ca. 1 cm scheide ich die Stickerei heraus und entferne auf der Rückseite so weit es geht das Stickvlies.

Von vorne sieht das dann so aus:


Von der Rückseite besprühe ich die Stickerei nun mit temporärem Sprühkleber (dazu am besten ein Stück Papier unterlegen, denn der Sprühkleber erweist sich bei mir auf der Zuschneideplatte inzwischen an verschiedenen Stellen als SEHR temporär!!!) und bringe sie in Position auf dem Shirt. Der Sprükleber ist in meinen Augen zwar eine recht kostspielige Angelegenheit, aber er ersparte einem lästiges Feststecken und die aufzunähenden Sachen kleben wirklich exakt ohne irgendwelche Fältchen zu bilden - kurz gesagt, bei mir hat er sich einfach bewährt!


Nun kann ich die Stickerei mit einfachem Gradstich aufnähen.


Da ich sonst nichts weiter auf das Shirt drauf nähen möchte, kann ich nun die Ärmel- und Seitennähte schließen. Dazu stecke ich bei den Ärmel die Stellen aufeinander, an denen die Stofffarbe wechselt, so dass dort kein Verrutschen möglich ist.

Ärmel - und Seitennähte schließe ich dann in einem Rutsch mit der Overlockmaschine. Dabei fasse ich (wenn ich daran denke!) in der Seitennaht ein zusammengefaltetes Label von mir mit. Schön sehen hier auch kleine zusammengefaltete Bänderreste aus.

Nun noch die Säume mit der Overlock versäubern, wobei ich als gewissenhafte Näherin, das zuvor verwendete graue Garn, an den Ärmel gegen Pinkfarbenes austausche.
Iiiieeeh, Overlockgarn TAUSCHEN, werden viele von euch jetzt denken.
Warum??? Ich finde das geht doch SO einfach! Die Fäden, die bei der Maschine unten durch die viele Schlaufen und Hebel gehen, schneide ich an den Konen ab und knote dort die neue Farbe an. Dann stelle ich die Fadenspannung dieser Fäden auf Null und ziehe sie vorsichtig durch alle Hebel, Ösen und Schlaufen, bis ich die neue Farbe komplett durchgezogen habe. Fäden einkürzen, Fadenspannung wieder einstellen und schon habe ich mir das Gewurschtel um die ganzen Ösen gespart. Okay, den letzten Faden (ich nähe meist nur mit drei Fäden!!!) muss ich dann noch "von Hand" einfädeln, aber ist DAS so ein Akt???


Wenn alle Säume versäubert sind werden diese noch umgenäht. Dazu ziehe ich das Shirt eben über und überprüfe die Länge an Ärmel und unten. So weiß ich dann ganz genau wie viel ich den Saum, vor allem an den Ärmel einklappen kann.


Die Säume nähe ich von links und zwar in den Ärmel hinein, denn meine Maschine hat keinen Freiarm, aber ich finde so geht es genauso gut. (Bei Kindershirts ist der Freiarm sowieso zu dick für die schmalen Ärmel!). Auch hier merke ich mir wieder eine "gedachte Linie" (blauer Pfeil), an der ich die Kante entlang führe ohne darauf zu achten, was die Nadel macht. So habe ich bei der Saumnaht immer den gleichen Abstand zu Kante.


Nun noch den Saum von Vorder - und Rückenteil....


...und das Shirt ist fertig!

Es folgt die Anprobe und gutes Licht für gescheite Fotos. Das kann manchmal dauern, so lange, bis es hier wieder heiß:

Verflixt - jetzt ist es FERTIG!!!

Gruß Uschi

Kommentare:

  1. Hallo Uschi,

    Dein Shirt ist superschön geworden und es war schön Dir über die Schulter zu gucken!

    Ganz liebe Grüße, Sandra

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  2. Wow! Tolle Anleitung! Vielen Dank! Für mich war die Sache mit der OVI am interessantesten ;o). Ich habe ebenfalls so ein Toyota-Dings und mir graut es vor jedem Konenwechsel, weil es dann bis zu einer Std. dauern kann, bis wieder alles reibungslos läuft. Meine Schwierigkeit besteht vor allem in der Reihenfolge des Einfädelns aller Konen. Denn in der Anleitung steht es anders als auf der Maschine aufgedruckt ist, und ich weiß bis heute nicht, wie ich die beiden rechten Konen zuletzt richtig durch die Führungen der Hebelchen bringen muss. Am Ende ist es reine Glückssache bis wieder alles vernünftig summt. Daher werde ich das Anknoten auf jeden Fall ausprobieren (aber erst, wenn es uuunbedingt sein muss und ich etwas Zeit habe ;o))

    Viele Grüße
    Marion

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  3. Also mit dem Konenwechsel hab ich lustigerweise gar keine Probleme. Ich war einfach mutig und es erwies sich als recht unkompliziert.

    Danke für diese tolle Serie, es hat wahnsinnig Spaß gemacht, Dir beim Nähen und Gestalten über die Schulter zu schauen.

    Eine Frage hab ich noch: wenn ich mit der Ovi einen "dehnbaren Kreis" versäubere, ist dieser am Ende nicht mehr dehnbar. Was mach ich denn da schon wieder verkehrt??

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  4. huhu Uschi - klasse Shirt und die Farben stehen dir echt gut.....danke für deinen Tip mit dem Kräuselfuss, letztlich - denn Toyota habe ich doch auch......nach langem suchen gefunden und klappt echt super.
    Tip zum Faden wechseln, du brauchst nur die zwei äusseren Fäden aus dem Spannungsrad und der Feder vorher nehmen und den Nähfuss hoch stellen und dann kannst du die neuen Fäden ziehen ohne deine Fadenspannung zu verändern und dann die beiden anderen Fäden durch die Nadel führen......klappt super.

    Grüße Heike

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  5. Herzlichen Glückwunsch, Uschi! Du hast den ersten Fleißpreis gewonnen und darfst in Zukunft alle Farbenmix-Fotoanleitungen machen!
    Herzlichen, herzlichen Dank, dass du uns alle mitgenonommen hast. Auch ich konnte noch etwas lernen.
    Eine günstige Alternative zum Sprühkleber ist der gute alte Klebestifft....
    Liebe Grüße
    Sabine

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  6. @Sabine: Wenn du dafür nicht gerade 84 Fotos benötigst;-), dann gerne, so ab und zu, nur nicht gerade morgen....

    Gruß Uschi

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