Samstag, 11. Dezember 2010

An den Kleidern werdet ihr sie erkennen...

..oder, die Frage nach der Kapuze vom Yorik Pulli.

So und nicht anders muss die Geschichte beginnen, die ich euch noch vom letzten Wochenende erzählen wollte. Denn es wird langsam Zeit, dass ich mein Versprechen mal einlöse...

Also, man erinnere sich, am vergangenen Wochenende stand dieses Event an und ich saß da so meine Zeit ab. Bereits am Samstag gab es von 11-20 Uhr viel zu sehen wobei man getrost ab 18 Uhr den Laden hätte dicht machen können, weil bei dem Schneegestöber und der Kälte noch nicht einmal der Glühweinstand besucht wurde und ich saß ja immerhin warm.
Am Sonntag gleiche Kulisse, Wetter auch eher bescheiden alles grau in grau bis, ja, bis auf einmal zwei bunte Gestalten in mein Blickfeld kamen. Ich denke, allen die nähen wird es ähnlich gehen wie mir, wenn wir (also wir Näherinnen) irgendwo 'was Buntes sehen, bleibt unser Blick daran hängen. Man könnte
a. ja davon profitieren (man denke nur an bunte Stoffe),
b. es könnte ja zu neuen Ideen inspirieren (man denke an die zahlreichen bunten Blogs oder
c. (und das ist hier am unteren Niederrhein ja doch noch eher selten) man trifft Menschen, die selber auch nähen und zwar genauso bunt!

In meinem Fall traf c. zu. Zwei bunt gekleidete Damen standen vor meinem Tisch. "Wat nu?", dachte ich so. Ein genauerer Blick, doch, der Mantelschnitt war bekannt, die Webbänder mehr als geläufig, die Gespräche zeugten auch von einem gewissen Insiderwissen - ja, doch, eindeutig: bunte Näherinnen;-). Nächste Frage: "Musste ich diese Damen kennen?". Das ist ja immer so eine heikle Sache; kennt man die "bunt gekleidete Spezies" evtl. aus irgendeinem Blog, den man vielleicht sogar regelmäßig liest? Nun, der Groschen fiel nicht, also habe ich dann doch mal kurz nachgefragt: "Muss ich euch irgendwoher kennen?", "Nein", erwiderten die Damen, aber wir lesen immer in deinem Blog.
Huch!

Nun, aber so kamen wir ins Gespräch und wir klärten, dass sie von mir mal den Tipp zur Stoffhalle in Osterhout bekommen hatten und sich aber ansonsten, was Näherei, BUNTE Näherei am Niederrhein noch sehr alleine fühlen auf weiter Flur. Aber, da stehen wir ja drüber!!!
Das Schöne ist aber auch, wenn man sich bei so einer Begebenheit trifft, man hat gleich eine Gesprächsbasis und tauscht sich aus und fragt mal nach, wie machst du dies, wo gibt es das...

So kommen wir also nun zu meinem Versprechen, denn die Beiden sahen sich meine genähten Kleidungsstücke an (schluck, hatte ich auch überall ordentlich gearbeitet?) und fragten dann ganz zaghaft: "Wir haben gerade gesehen, dass du die Kapuze bei Yorik mit der Overlock annähst. Wie macht man das denn?"
"Ähm, ja, wie eine ganz normale Naht!", erwiderte ich ein wenig verduzt, weil ich da eigentlich nie ein Problem drin gesehen hatte. So, nun steht man da aber auf dem Nikolausmarkt, weit und breit keine Overlock zur Hand und muss das so trocken erklären...schwierig, also versprach ich, dass ich's beim nächsten Yorik fotografieren würde! Und wer weiß, vielleicht hat ja manch anderer auch so seine Berührungsängste, was das Annähen der Kapuze mit der Ovi angeht!?

Also fangen wir ganz vorsichtig an:

1. Innen. und Außenkapuze zuschneiden, hintere Naht und vordere Halsnaht (falls nicht im Bruch zugeschnitten) jeweils rechts auf rechts zusammennähen.


2. Futterkapuze rechts auf rechts in die Außenkapuze schieben und an einigen Stellen feststecken.


3. Von der Futterseite aus Außen- und Innenkapuze zusammennähen.


4. Kapuze auf rechts wenden und Innen- und Außenkapuze am Halsauschnitt aufeinander stecken.


5. Für die kommende Naht schraube ich die Stichbreite der Ovi etwas herunter. Normalerweise nähe ich bei 7, nun bei 5. Das hat den Vorteil, dass die spätere Halsnaht, die nun folgende Naht immer überdeckt!


6. Im nächsten Arbeitschritt werden die beiden Kapuzenteile (links auf links!!!) miteinander verbunden, so dass sich da schon mal keine Fältchen oder Verschiebungen mehr ergeben können.


7. Die Kapuze kann nun erstmal zur Seite gelegt werden. Die Stichbreite der Ovi wieder auf 7 stellen - NICHT vergessen! Nun nähe ich beim Pullover alle vier Raglannähte. Dann lege ich mir den Pullover wie im Bild zu sehen aufeinander und markiere mir mit zwei Stecknadeln die vordere und hintere Mitte.


8. Nun wende ich den Pullover auf links und schiebe die Kapuze hinein und stecke sie entsprechend den Markierungen rechts auf rechts in den Ausschnitt hinein


9. Nun lege ich mir den Pullover so, dass ich die Seite der Innenkapuze oben liegen habe. Ich nähe also quasi in die Kapuze hinein... äh, ist das klar? Mit dem Nähen beginne ich immer an der hinteren Mitte. Bitte langsam nähen und dran denken die Stecknadeln zu entfernen!!!


10. Alle paar Zentimeter hebe ich den Pullover kurz an und schaue nach, ob unten auch alles gut flach liegt, ob sich keine Fältchen bilden und ob sich auch kein Stoff dort sammelt, den ich ungewollter Weise mitnähe oder gar ABSCHNEIDE!!!


11. Wenn ich dann einmal rundherum genäht habe, wende ich den Pullover auf rechts und schaue innen, ob ich auch alles mitgenäht habe


und ich schaue außen, ob sich auch wirklich keine Fältchen gebildet haben.

(Nein, sieht gut aus, kann man so lassen;-))

12. Die Ärmel und Saumbündchen nähe ich übrigens auf die gleiche Weise! Erst wieder die Bündchen links auf links mit schmaler Stichbreite aufeinander nähen.

13. Dann Bündchen und Armausschnitt an jeweils an vier Stellen markieren und rechts auf rechts ineinander stecken. Stichbreite wieder erhöhen!!!


14. Das Ärmelbündchen dann so unter das Füßchen legen, dass man "im" Ärmel drin näht. Auch hier wieder gut gucken ob sich keine Falten bilden (bei Yorik muss das Bündchen dazu gut gedehnt werden!)

Das war's. ich hoffe es war verständlich und nimmt so manch einem die Angst mit der Ovi versehentlich etwas abzuschnieden, auch wenn die Naht weniger gut "erreichbar" ist.

Den Pullover der da übrigens entstanden ist, den kennt ihr bereits.

Yorik bestickt und bemahlt mit dem tollen Heelahmotiv!



LG Uschi


Kommentare:

  1. Danke liebe Uschi!
    Bin um einiges schlauer geworden ;-))

    Liebe Grüße Natalie

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  2. BOAH, wie ORDENTLICH, Du Streberin! *gg*

    (Ich machs genau so, bis auf die Stekcknadeln. Ich näh ohne Stecken aufeinander, immer schön gedehnt *hrhr*)

    LG, IneS.

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  3. hihi... hat sich dann doch gelohnt, dort zu sein...

    mir geht es aber auch immer so... wenn ich ein Nähteil bekomme, schaut man sich auch automatisch die Nähte an... so nach dem Motto.. wie macht es "sie" denn...?

    kaufe aber auch ab und an gerne genähtes von anderen...

    Deine Tasche von Dir lebt auch immer noch *g*

    LG

    Andrea

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  4. Hallo Uschi!
    Vielen Dank für die Erklärung. Ich habe eben eine Pullover genäht und muss nur noch die Kapuze annähen. Ich werde es dann mal nach Deiner Methode probieren. Drück mir die Daumen,dass ich nichts abschneide. :)
    LG Melanie (einer der besagten beiden Damen)

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  5. @ Melanie - immer schön langsam am Anfang!

    LG Uschi

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  6. Erklären wie die Kapuze ordentlich angenäht wird und das auch sehr gut verständlich machen, das ist schon eine Kunst,super Fotos zur Anschauung!
    L.G. von Wilma

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  7. Vielen Dank für die schöne bebilderte Anleitung!

    Liebe Grüße
    Schildi

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  8. hast du super erklärt, genau so wird hier auch Teil für Teil zusammengebracht.

    glG Heike

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  9. liebe Uschi wieder was gelernt! das mit den verschiedenen Stichbreiten werde ich antesten dann wurstelt es nicht so....

    Herzlichen Dank und liebe Grüße
    anja

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  10. Vielen Dank für die Anleitung, das ist ja prima =)
    Jetzt muss nur noch mein Yorik-Schnitt ankommen und mein Kind ein bißchen wachsen, dann probier ich das sofort mal aus.

    Liebe Grüße
    Alexa

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  11. Hallo Uschi,
    das ist ja die genau die Anleitung die wir gebraucht haben, der nächste Pulli wird genauso so gemacht.( zumindest versucht). Lg Kerstin die andere der besagten Damen.

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  12. Danke für den Tip mit der geänderten Stichbreite. Es so zu machen hört sich sehr logisch an (ich komme ja von selber nicht auf solche Tricks).
    LG Gabi

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