Mittwoch, 11. Mai 2011

Der oder das Teil...

...oder die grammatikalische Richtigkeit eines Ebooks!

Ein Ebook zu schreiben ist kein Kinderspiel. Mal abgesehen, vom "Ideen haben" bis über das "Fotografieren des Nähablaufes" bis hin zum Layout ist es ein weiter Weg.
Es soll nähtechnisch richtig sein! Aber darum geht es hier gerade gar nicht, außerdem wird das gerade noch überprüft.
Es sollte (nach Möglichkeit) ohne Rechtschreibfehler sein. Dafür hat man die automatische Rechtschreibprüfung erfunden, wobei DIE auch so manches Fehlerchen durchgehen lässt.
Ja, und es sollte grammatikalisch richtig sein. Dafür gibt es Probeleserinnen und -näherinnen.

Im folgenden hatten wir da nun jedoch ein Problem, was genauer unter die Lupe genommen werden muss. Es geht um die Anwendung des Wortes "DAS Teil" oder "DER Teil".

Hah, das ist doch ganz einfach werdet ihr jetzt sagen - ganz klar, es heißt das Schnittteil!!!
Ja, dachte ich auch, bis mich IneS. ans Grübeln brachte, denn in der Filmbranche oder bei Fortsetzungsromanen sprechen wir z. B. ganz selbstverständlich von DER dritte Teil...Hah!

Das Teil - der Teil, wann wird also was angewendet? Da muss es doch eine Regel geben, denn die deutsche Sprache hat doch eigentlich für alles Regeln. Also befragten wir das Internet und fanden jemanden, der sich offensichtlich damit auskennt und es auch für uns Laien immer ganz nett und auf amüsante Art und Weise formulieren kann: Bastian Sick
Was der/das Teil angeht wurden wir fündig im Zwiebelfisch-ABC. Dort steht nun genau erklärt, wann man von einem "männlichen Teil" (also der Teil) und wann man von einen neutralen Teil (also das Teil) spricht.
Um das Wesentliche mal zu zitieren:

DAS Teil ist immer ein loses Stück
DER Teil ist immer Teil eines Ganzen

AHA!!! Also ist es ja auf jeden Fall schon mal korrekt wenn wir von "DAS Schnittteil" sprechen, denn zumindest bei mir handelt es sich meist um ein loses Stück, was allzu oft nur zu gerne in den Weiten meines Nähzimmers verschwindet! Daher kann es niemals Teil eine Ganzen sein.
Korrekt ist auch "DER dritte Teil" des Fernsehfilms oder Buches, denn wenn wir nur den dritten Teil sehen/lesen wird uns der Film/das Buch nicht sonderlich erfreuen, weil uns vorangegangene Informationen enthalten wurden.

Aber was bedeutet dies nun für ein Ebook - für mein Ebook. Die Problematik ist nämlich folgende: Anfangs habe ich diverse zugeschnittene LOSE Teile (die übrigens auch schon mal gut und gerne in meinem Nähzimmer verschwinden!), die aber im Nähverlauf zu einen Teil eines GANZEN werden...im aktuellen Fall ein Rock!

Daher, wenn ich also die deutsche Grammatik nun richtig verstanden habe und mal annehmen darf, dass Herr Bastian Sick sich da auch wirklich auskennt, wird also mein anfangs zugeschnittenes neutrales Rockteil (also DAS Rockteil) irgendwann im Laufe des Nähfortschrittes zu einem männlichen Rockteil (also DER Rockteil), weil ER dann ja durch das Zusammennähen zu einem Teil eines Ganzen geworden ist.

So, und wenn ihr mir bis hier her noch folgen konntet, so dürft ihr auch darüber freuen, dass ich bei meinem kommenden Ebook auch oder ganz besonders Wert auf die grammatikalische Richtigkeit gelegt habe.

Dies alles nur als Erklärung, falls sich jemand nach dem Kauf des Ebooks (Erscheinungstermin übrigens 19.5. bei farbenmix) darüber wundern sollte, warum mein Rockteil im Laufe des Nähprozesses das Geschlecht ändert;-)

Gruß Uschi

Kommentare:

  1. DANKE! Ich konnte deinen Schlussfolgerungen folgen und finde es ganz logisch, dass Rockteile ihr Geschlecht ändern können (wenn auch ein Rock zumeist von Frauen getragen wird und wir hier gar nicht von weiblichen Teilen sprechen :D)

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  2. Tja, liebe Uschi, so weit - so gut. ABER: Wenn Du jetzt z.B. formulierst: "Nähen Sie das Teil A an das Teil B" ist das o. K., wenn Du aber formulierst: "Nähen Sie das Vorderteil des Rocks an das Hinterteil..." ist es falsch. Denn dann müsste es ja heißen "...den Vorderteil..." weil es ja Teil eines Ganzen ist. Oder, bin ich jetzt auf dem Holzweg... Seufz - Deutsche Sprache - schwere Sprache, oder schwierige Sprache ach, wer weiß. Da wundert man sich doch nicht, daß viele Deutsche nicht richtig mit unserer Gramatik umgehen können, von den ausländischen Mitbürgern mal ganz zu schweigen...

    Ganz liebe Grüße
    aus´m Kolenpottt
    Sylke

    P.S. Ich hoffe, es wimmelt jetzt nicht von Rechtschreibfehlern...

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  3. na da bin ich mal auf das Gesamtwerk *den Rock* gespannt.....

    Du kannst einfach klasse schreiben.

    Grüße Heike

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  4. Mal abgesehen davon, dass "der" Rock meistens von Frauen getragen wird (also Neuzeitlich) und man überlegen sollte, das ganz im Zuge des Fiminismus evtl "das" Rock zu nennen, ist eine Geschlechtsumwandlung innerhalb eines fast schon chirurgisch anmuteneden Prozesses (das Schneiden, das Nähen etc.) eine sehr interessante Form, geradezu fachübergreifender Präzision, die unbedingt auch während des Nähprozesses gewürdigt werden sollte.

    Also kurz Inne halten und "des" Teils zum Übergang zu "dem" Teil gratulieren - oder einem selbst... ach ne.. anderer Fall...egal...

    Wobei es ja langsam eine Welle des Maskulinismus gibt und man(n) den Männern auch mal eine typische Frauensache zugestehen muss, sollte, darf, könnte... also als heroische Maßnahme alleien "der" Rock bestand haben sollte.

    Da ein Ganzes also männlich ist, bekommt der Ausdruck "Ein ganzer Mann" schon wieder eine neue Perspektive - oder war es "ein ganzer Kerl... dank... äh...)nee...

    Ich bin verwirrt...

    Müssen jetzt eigentlich alle bishereigen EBooks umgeschrieben werden?

    Liebste Grüße

    ... und Danke für deine Aufklärung - mein absolutes Tageshighlight bis jetzt... aber ich hab auch "nur" gebügelt... typisch Frau eben ;D... herrlisch...

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  5. Hihihihi, solange DIE Teile aneinanderpassen, ist es mir völlig egal, ob sie männlich oder weiblich sind....Aber ich finde Deine Ausführung, wie immer eigentlich, wirklich klasse ;-)

    LG

    Silke

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  6. Danke für deine Erklärung und die Verlinkung! Jetzt weiß ich, wie man das erklären kann. Als Mutter muss man doch einiges erklären.
    "Dasselbe" und "das gleiche" ist auch interessant. Und "als" und "wie" hab ich nachgeschlagen. Was ich nicht verstanden haben ist,ob etwas an einem "zerrt" oder "zehrt". Ich glaube, man kann mittlerweile beides benutzen.
    LG
    Nicole

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  7. Ach Uschi, da macht man sich als eBookschreiber so eine Mühe und kümmert sich liebevoll um die Texte.......

    ...um dann mitgeteilt zu bekommen, dass es bei eBooks ja so toll ist, das man nur nach den Bildern nähen kann.

    :)

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