Freitag, 27. Dezember 2013

Aus dem Auge - aus dem Sinn!

Unseren 48 Stunden Selbstversuch haben wir erfolgreich hinter uns gebracht. Und was soll ich sagen...es tat noch nicht einmal weh!

Am 24.12. um 12 Uhr mittags versammelten wir uns alle und sperrten Handy, Computertastatur, Maus und Co. für 48 h weg.

Ein letzter Post auf Facebook, ein letztes Bild auf Instagram. Und nun? Eine Weile sprachen wir noch darüber, was wir erwarten...was uns erwartet...so ganz ohne Online-Technik.
Sehr schnell stellte sich das Gefühl des "Zeit habens" ein...Leerlauf, der nicht mit dem Griff zum Handy oder mit dem Blick auf die neusten Fb-News oder Instagrambilder gefüllt wird...der aber auch "anders" gefüllt werden will. Das war zunächst ein wenig komisch. Nach dem Mittagessen...quasi der Griff ins Leere. Kein "ich bin dann mal oben" vom Sohn, kein "tipptipptipp" der Tochter auf dem Handy. Aber auch bei uns Erwachsenen eben kein Gang zum PC.

Nach den Mahlzeiten bleiben alle sitzen und nehmen sich die Zeit für Gespräche. Für eine ausgiebige Partie "Carcassonne" ist Zeit genug. Dann folgt eh das traditionelle Heiligabendprogramm: Weihnachtsbaum schmücken, auf den Baum anstoßen, Kinder nach oben schicken, Geschenke bereitstellen usw....alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Oft ertappen wir Handybesitzer (Felix hatte bisher noch kein Smartphone) uns bei dem Gedanken: "Hach...das wäre jetzt ein toller Schnappschuss für Instagram!" Aber kein Bild vom Lieblingsweihnachtsmann mit Brustbeutel und auch kein Bild vom köstlich schmeckenden Weihnachtsmenue! Schlimm? NEIN! Der Weihnachtsmann hängt auch ohne Bild und das Essen schmeckte auch ohne eine Anzahl diverser "likes". Das Abendessen genießen wir mit viel Ruhe...auch das Fernsehprogramm (Fernsehen hatten wir uns ja zugestanden unter gewissen Bedingungen) hetzt uns nicht, denn wir werden uns auf eine DVD einigen und zu viert gemütlich auf dem Sofa lümmeln.

1. Weihnachtstag...ich stehe auf wie immer und würde nun, während der Tee zieht und die Brötchen im Backofen ihre Bräune bekommen einen Blick auf's Handy werfen. Auch hier wieder Leerlauf der angefüllt wird. Angefüllt ausschließlich mit einem Buch. Auch nach dem Frühstück bleibe ich sitzen und lese noch ein wenig weiter. Der Adventskalenderschal wird zu Ende gestrickt...ein Foto kann ich nicht posten...aber der Schal gefällt mir dadurch nicht weniger;-).
Die Kinder haben zu Weihnachten einige neue Gesellschaftsspiele bekommen, eins wird gleich nach dem Frühstück getestet und für gut befunden.
Überraschenderweise ist das Wetter mild gestimmt und wir Erwachsenen gehen eine Runde spazieren, während die Kinder sich mit ihren neuen Büchern auf's Sofa verziehen. Die Gewissheit, dass die Kinder während unseres Spaziergangs nicht vorm Compi abhängen fühlt sich gut an.
Den Nachmittag verbringen wir erneut mit Spielen und Zusammensein...Treffpunkt ist dabei meist die Küche.
Das Abendessen wird gemeinsam vorbereitet und auch im Anschluss wird die Küche gemeinsam wieder ordentlich aufgeräumt. Das "Miteinander" wird präsenter.

Viel zu schnell vergehen eigentlich die 48 Stunden und als es am 2. Weihnachtstag heißt...wir sind wieder online hat jeder von uns seine Erfahrungen machen können.

Felix: so schlimm wie er es sich vorgestellt hat war es dann doch nicht und er ist bereit sich häufiger darauf mal einzulassen.
Julia: sie hat insbesondere die Familienzeit, das häufigere Miteinander genossen, aber das Handy für zwischendurch fehlt.
Mein Mann: hat fast nichts vermisst, außer vielleicht Programierideen sofort umsetzen zu können, Dinge nicht wie gewohnt spontan recherchieren zu können und beim Lesen seiner ausländischen Comics nicht auf ein Übersetzungsprogramm zurückgreifen zu können. Als Gewinn betrachtet auch das "mehr" Zeit für andere Dinge. Bedauerlich fand er jedoch, dass unangenehme Dinge auch weiterhin liegen bleiben...(dafür war veilleicht die Zeit auch ein wenig zu knapp!?)

Und ICH? Ich fühlte mich weniger gehetzt...ich "musste" nicht alle Nachrichten bei FB sichten....und ich "musste" auch nicht diverse Bilder bei Instagram liken. Es tut auch nicht weh, wenn man nicht immer alles mitbekommt. Eingegangene Mails kann man auch noch drei Tage später beantworten...nichts kann SO wichtig sein, dass es binnen der nächsten Stunde beantwortet werden müsste. Vermisst habe auch ich dieses "mal eben etwas nachschlagen/recherchieren". Für ein neues Strickprojekt hätte ich z.B. einen Rat gebrauchen können...das musste nun ohne gehen (und ging auch, wenn auch vielleicht nicht ganz so schnell).

Alle sind wir uns einige: Wir werden das auf jeden Fall wiederholen und unseren Konsum überdenken...nicht gleich immer zum Handy spurten wenn es brummt, nach dem Essen auch mal sitzen bleiben und insbesondere an gemeinsam freien Tagen mehr Zeit miteinander verbringen!

Gut war jedoch auch, die "Technik" aus dem Auge zu verbannen, denn kaum ist sie wieder präsent ist er wieder da, der Griff zum Handy, der Gang zum PC...ABER immerhin ein klein wenig "entschleunigt"!

Fazit: Der Versuch ist nachahmenswert und wird auf alle Fälle wiederholt...vielleicht sogar im kommenden Urlaub!?

Gruß Uschi

P.S.: Es liest sich evtl. so, dass wir hier ausnahmslos alle permanent vor dem PC oder Handy sitzen. Das ist nicht der Fall, auch ohne "Off-Versuch" finden wir die Zeit miteinander zu kommunizieren oder auch die Zeit miteinander zu spielen. Auch glaube ich, dass wir, was unseren Konsum betrifft noch harmlos sind im Vergleich zu anderen Familien.

Kommentare:

  1. Hut ab, vor allem bei den KIds. Die leben ja noch intensiver mit dem WWW als manch ein Erwachsener. Bei uns ist auf jeden Fall immer beim Essen handyfreie Zone.

    LG Anette

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  2. Sollten ihr sicherlich öfter machen. Über die Weihnachtstage, wo sowieso wenige online sind, doch viel zu einfach *grins.
    Hier bleibt da auch ohne Verbot der PC aus, da hierfür einfach keine Zeit ist vor lauter Familie und auch für PC eine totale Unlust; aber auch zu anderen Zeiten, wo einfach mal die Kiste ein paar Tage ausbleibt.. ...und mein Handy hat kein Internet, was ich auch überhaupt nicht mangle, brauche ich einfach nicht, die totale Abhängigkeit von der Technik. Früher ging es auch ohne, und sogar sehr gut.
    LG Ela

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  3. Liebe Uschi,

    das ist doch eine tolle Idee gewesen. Klar, es ist schön, dass es solche Dinge gibt. In gewissem Rahmen braucht man es auch. Aber eben nicht immer und ständig.

    Wir brauchen uns von derlei Dingen noch keine Auszeit nehmen (außer vielleicht dem Laptop ;-) ). Wir haben zwar Handys, aber die werden nicht so häufig genutzt. Die Kiddis sind noch "zu klein" für Handy, Smartphone etc.
    Aber oftmals wenn wir mit Freunden zusammen sind, stört es schon, wenn immer wieder das Smartphone gezückt und irgendetwas nachgeguckt wird. Das sind Momente, wo ich mich frage, was haben die Leute vorher gemacht. Warum können sie das Essen, das Gespräch oder den Wein nicht einfach genießen.

    Ich wünsche Euch noch ein wunderschönes entschleunigtes Jahr 2014.

    LG
    Evelyn



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  4. Danke für Deinen Bericht!! Ich nehm es mir grade sehr zu Herzen. Mal gucken, in welcher Form ich das für mich umsetzen kann. <3

    Liebe Grüße
    Sarah

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  5. Liebe Uschi!
    Ein interessanter Selbstversuch, der meiner Meinung nach auf jeden Fall nachahmenswert ist.
    Hier spielt Technik eigentlich keine so große Rolle; meine Bloggerei wird vom Mann eher kritisch gesehen. Meine Kinder sind noch nicht so groß, dass Elektronik schon mega-interessant wäre. Wobei ich doch einige Familien kenne, deren Kinder im Alter meines ältesten Kindes schon den Umgang mit PC, Smartphone und Spielekonsolen kenne. Und bei uns wird es zwangsläufig wohl auch bald losgehen, seufz...
    Insofern sind wir wohl etwas hinterher.
    Aber ich habe selbst recht wenig gebloggt in der Vorweihnachtszeit und auch verhältnismäßig wenig auf anderen Blogs geschaut.
    Das hat den Alltag definitiv entzerrt.
    Wenn man nicht ständig das Gefühl hat, irgendetwas zu verpassen ist das schon beruhigend!
    :o)
    Ich wünsche dir einen guten Rutsch!
    LG, BuxSen

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  6. Toll! Ich war ganz gespannt, als ich das über den Selbstversuch las und freue mich über diese positive Rückmeldung!

    Liebe Grüße von Annika aus Berlin

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