Montag, 2. Dezember 2013

Weihnachtsmärkte und ich...

...das ist so eine Sache. Irgendwie scheinen wir nicht so ganz zueinander zu passen. Ob es daran liegt, dass ich eigentlich keinen Glühwein mag? Vielleicht "erträgt" man Weihnachtsmärkte besser, wenn man Glühwein mag...viel Glühwein? Schwierige Frage...heikles Thema! Ich hole also ein wenig aus:

Früher...viel, viel früher...gab es hier bei uns in Kleve einen kleinen Weihnachtsmarkt, ein paar schöne Kunsthandwerkstände, an denen auch noch das Handwerk ausgeführt wurde (Glasbläserei, Schnitzkunst usw.), ein paar caritative Stände, ein Glühweinstand und ein Imbiss. Alles in schönem Ambiente unterhalb der Burg, manchmal mit Glück auch etwas Schnee dazu.

Inzwischen ist der Weihnachtsmarkt gewachsen, die Schnitzkunst gibt es immer noch, den Glasbläser leider nicht mehr, die caritativen Stände gehen in den kommerziellen Ständen unter. Das Angebot ist eher...so naja und über allem wabert der Duft von Bratwurst, Fisch und Reibekuchen und die Menschenmassen stehen dicht gedrängt an den Glühweinständen. Der hiesige Weihnachtsmarkt liegt zwar nicht mehr unterhalb der Burg, aber sicher in ähnlich schönem Ambiente, aber dennoch, irgendetwas fehlt...es fehlt der Moment der Besinnlichkeit, es fehlt das weihnachtliche Gefühl und selbst die eintretende Dunkelheit und die vielen kleinen Lichter lassen nichts dergleichen bei mir aufkommen, denn es herrscht ein Gedränge und Geschiebe, was zu Zeiten mit kleinen Kindern nicht immer angenehm war. Also gingen wir etliche Jahre nicht mehr zum Weihnachtsmarkt.

Dann kam die Zeit, in der ich selber auf einen kleinen Nikolausmarkt in Kranenburg stand. Die Zeit davor war hektisch, ich saß tagelang im Nähzimmer und nähte zwar schöne Sachen, aber nicht wirklich das was ich nähen wollte, sondern das was sich gut verkaufen ließ. In manchen Jahren habe ich auch gut dabei verdient, in manchen Jahren diente ich sicher vielen Besuchern als Inspirationsquelle, im letzten Jahr sagte ich "Nein", ich setze aus (eine weise Entscheidung, die ich beibehalten habe!). Und das war gut, denn endlich fand ich die Zeit für all die Dinge, die mir die Jahre zuvor gefehlt hatten...ich hatte Zeit für den Adventskranz, ich hatte Zeit zum Plätzchen backen (nicht nur so huschhusch) und ich hatte Zeit für mich und damit Dinge zu erledigen die mir Spaß machen, mich im Schein der ersten Adventskerze hinzusetzen und inne zu halten. Mit der Familie gemütlich beisammen sitzen, Spiele spielen oder einfach nur erzählen.
Und weil ich Zeit hatte, besuchten wir auch im vergangenen Jahr (man bedenke, wir waren etliche Jahre nicht gegangen!) wieder mal den Weihnachtsmarkt...aber ohweh...fataler Fehler...wir fanden zwar immer noch die Schnitzkunst, aber sonst? Bei vielen Ständen hatte ich das Gefühl, sie haben ihr Angebot in den letzten Jahren nicht geändert...die gleichen Socken, die selben Mützen...oh, und es gab chinesische Vasen! Wer in aller Welt geht zum Weihnachtsmarkt und kauft chinesische Vasen? Ich war mehr als irritiert...und über allem waberte...ihr ahnt es? Der Duft von Bratwurst, Fisch und Reibekuchen und die Menschenmassen stehen dicht gedrängt an den Glühweinständen und es herrscht ein Gedränge und Geschiebe. Okay...eine Erfahrung reicher...müssen wir nicht mehr hin!

In diesem Jahr dann der Vorschlag meine Frühstücksfrauen...lasst uns doch mal zum Weihnachtsmarkt nach Essen fahren. "Ach ja, dachte ich...so ein Ausflug in die Großstadt ist ja schon etwas Besonderes...und wer weiß, vielleicht sind die in der Großstadt ja schon weiter als wir auf dem Land und haben Anderes, Besseres zu bieten?". Also stand der Entschluss fest...ich fahr mit!
Leider stand unser Vorhaben ein wenig unter einem schlechten Stern, denn wir wollten mit dem Zug fahren und die Züge fuhren/fahren momentan den Hauptbahnhof in Essen nicht an, weil kurz zuvor unbekannte Bergbaustollen entdeckt wurden, über die seit Jahren bereits ICEs hinwegdonnerten.
Aber wir sind ja flexibel, also landeten wir in Köln auf dem Weihnachtsmarkt...nein, eigentlich nicht auf DEM, sondern auf den zweien...oder waren es gar drei? Vielleicht liegt es daran, dass ich ja keinen Glühwein mag, vielleicht lag es auch an dem doch etwas ungemütlichen nass kalten Wetter, aber auch hier...ein weihnachtliches Gefühl kam bei mir leider nicht auf. Das Angebot der Stände war...nunja...reichhaltiger, aber das es etwas gab, was mein Herz begehrt? Bin ich auch da inzwischen zu kritisch, bin ich zu übersättigt von dem was man im Internet entdeckt und geboten bekommt. Unter der Vielzahl von Ständen gab es vielleicht zwei drei, bei denen ich dachte: "Wow, tolle Idee! Das nenne ich kreativ!" Vieles wiederholte sich und....ihr ahnt es...über allem waberte der Duft von Bratwurst, Fisch und Reibekuchen und die Menschenmassen standen dicht gedrängt an den Glühweinständen und es herrschte ein Gedränge und Geschiebe und wir waren mehr darauf bedacht uns nicht aus den Augen zu verlieren, als die Auslagen der Stände zu betrachten. Die Glühweinstände waren hier jedoch zum Teil große zweistöckige "Häuser", bei denen ich eher den Eindruck hatte, dass dort die arbeitende Bevölkerung eine lustige "Afterworkparty" zu feiern schien. Menschen mit 50 cm langen Fleischspießen kamen meinen Augen gefährlich nahe, von glänzenden Kinderaugen fehlte jegliche Spur. Party...hier war stellenweise Party angesagt...und wir waren noch früh dran...um 22 Uhr hätte da sicher der Bär gesteppt!
Besinnlichkeit? Gemütlichkeit? Stille? Innehalten? Die Frühstücksfrauen mögen mir verzeihen...vielleicht habe ich den falschen Anspruch an einen Weihnachtsmarkt und ja, Spaß hatten wir ja auch...aber eigentlich mehr auf der Zugfahrt;-)...denn die verlief...wie könnte es bei der Bahn anders sein...nicht so ganz nach Plan :-).

Fazit...Weihnachtsmärkte und ich...wir sind einfach nicht kompatibel!
In meiner Vorstellung gäbe es da einen kleinen, feinen Markt, Stände mit tollen kreativen Ideen, freundliche Verkäufer die begeistert von ihrem Handwerk erzählen, Menschen mit Zeit und ohne Hektik, die gemütlich durch die Gassen schlendern. Schneeflöckchen die vom Himmel fallen und alles in eine dumpfe Stille hüllen, hier und da leise Weihnachtsklänge und der Duft von Äpfeln, Nüssen, Weihnachtsgebäck und Waffeln. Vielleicht würde ich dann auch ein Glas Glühwein trinken mögen....bis dahin werden Weihnachtsmärkte und ich aber so eine Sache bleiben...

Gruß Uschi

Kommentare:

  1. Schloß Moyland, 12.-15.12., das würde dann passen denke ich. Und Essen ist da wie Köln, den könnse sich sparen, würde ich mal sagen.
    Oder am nächsten Wochenende im Freilichtmuseum in Grefrath, klein, überschaubar, von Party keine Spur. Nur mal so als Tipp, weil ich das gut nachvollziehen kann was da geschrieben wurde.

    LG
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      ja, der Markt in Moyland bekommt von mir noch eine Chance, das hatte ich auch schon überlegt. Danke für den weiteren Tipp.

      LG Uschi

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    2. aber ist moyland nicht auch immer so schrecklich überfüllt? die stahen doch da auch schon kilometerweise auf der strasse.

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  2. Ach Uschi, schade, dass Du so weit weg bist. Sonst würde ich Dich mitnehmen in "unser" Museumsdorf zum Nikolausmarkt am nächsten Wochenende. ♥

    http://www.museumsdorf.de/de/veranstaltungen/207-nikolausmarkt

    Da freue ich mich sehr drauf, sonst geht es mir nämlich auch meistens so wie Dir...

    Liebe Grüße
    Sarah

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  3. Liebe Uschi, Du schreibst mir aus dem Herzen. Dortmund beansprucht für sich ja den größten und den kleinsten Weihnachtsbaum ever zu haben. Alles schön und gut, es kommen viele Menschen aus aller Herren Länder, aber weihnachtlich ist anders. Natürlich gehen wir trotzdem mal hin, aber die wirklich schönen Märkte sind die kleinen beschaulichen auf dem viele kleine mit Liebe gemachte Dinge verkauft werden. Leider gibt es davon in unserer Großstadt nicht so viele. Ich stelle fest, seit dem ich selber kreativ bin, sehe ich solche Dinge auch ganz anders, ich weiß wieviel Arbeit darin steckt und das es nicht wirklich lukrativ ist, wenn man die dann verkauft. Ich hoffe das es dieses Jahr wieder einen Weihnachtsmarkt auf einem Gut geben wird, der wirklich toll ist, klein, gemütlich gut duftend, einfach ein Stück Kindheit, ein Stück Weihnachten...Ich wünsche Dir und Deiner Familie eine geruhsame, schöne Weihnachtszeit, bestimmt kommt dann der Weihnachtszauber ohne Geschiebe und Gedränge von ganz allein.

    LG Sylke

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  4. Liebe Uschi,
    du sprichst mir aus der Seele ... genau das hab ich mir gestern gedacht, gefühlt ... erlebt!
    Stopp and Go auf dem Christkindlmarkt ... mit 2 Kindern (eins klein, eins groß) ... wir haben uns nichts gegönnt (keine Bratwurst, Glühwein und co) ... wir hatten nur noch ein Ziel: nix wie wieder weg!

    LG, Ingrid

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  5. Super Blogpost...

    deswegen mag ich unseren kleinen feinen Weihnachtsmarkt in einem Vorort mit 5000 Einwohnern... mehr brauche ich nicht...

    LG

    Andrea

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  6. Ja Uschi, das kommt ungefähr mit dem hin, was ich auch so gar nicht brauche... hier in Regensburg gibts auf 2 kleinen Plätzen den "Lukretiamarkt" ... mit kleinen, feinen Handweksständen, ausgefallenem Essen, heißem Met in 3 Varianten und ein paar kreativen (wenn auch wiederkehrenden) Ständen.... das geht grad noch... in der Nähe im Altmühltal gabs bis vor 2 Jahren auf einem Schloß einen tollen Markt.... leider wurde der auf Willen der Anwohner eingestellt... und wir überlegen auch grad, wieviel Weihnachtsmarkt wir uns geben... weil die Kinder wollen dann doch und in der historischen Altstadt in Regensburg ists dann doch ganz nett,... das ist der Vorteil einer kleinen Großstadt.... Liebe Grüße NETTE

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  7. Hallo Uschi, ich habe hier so einen kleinen feinen Markt, den ich beglücke und der mich beglückt. Der Umsatz hält sich in Grenzen, aber es ist gemütlich, heimelig, die Besucher und wir Kreativen kommen ins Gespräch...familiär fast. Ich würde auch niemals mich in der von Dir beschriebenen Atmosphäre wohl fühlen, deshalb wähle ich meine Märkte sehr sorgsam aus und lieber einer weniger, dafür aber schön für alle Beteiligten.

    Viele Grüße von der stürmischen Ostsee, Katrin

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  8. Ach Uschi....du schreibst mir aus der Seele.....was war der Nikolausmarkt an der Burg doch immer schön. Und oh Wunder auch das Wetter spielte dort immer irgendwie passend mit. Es regnete (zumindest in meiner Erinnerung) eigentlich nie aber es war vorweihnachtlich kalt, mal ein bischen Schnee mal nur Frost. Aber eben weihnachtlich angehaucht, besinnlich, keine Geschiebe u Gedrücke und es gab wunderschöne Weihnachtsdeko, Räuchermännchen und Zubehör, Schwibbögen uä. und einen Plätzchenstand, Glühweinstand aber an Fisch und ähnliches erinnere ich mich in diesem Zusammenhang nicht. Es war eben ein Weihnachtsmarkt und keine (Party-)Kirmes.... Wir gehen dieses Jahr nicht zum Klever Markt, mir was das letztes Jahr mit 4 Kids zu beängstigend eng und auch die Kleineren hatten nichts davon haben sie doch hauptsächlich gegen Rücken und nasse Jacken/Mäntel geschaut denn bis an die Buden kamen sie fast nicht heran.... schade eigentlich. Und nein es liegt nicht daran das wir vom Internet her verändert sind, es liegt an den veränderten Bräuchen und Sitten - solche Dinge verlieren leider in der heutigen Zeit ziemlich an Ansehen und bald sind wir nur noch Fossilien aus einer "anderen" Zeit.... leider.
    Ich wünsche Dir und deinen Lieben dennoch ein besinnliche und ruhige Adventszeit, mit Plätzchenduft und Kerzenschein.... lg Silvia ...

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  9. Liebe Uschi,
    ja da sagst du etwas, die Vorweihnachtszeit kann man nicht geniessen wenn man dabei ist einen Basar vorzubereiten. Leider. Aus dem Grund habe ich auch in diesem Jahr zwei davon abgesagt. Guter Entschluß und der dritte der mir am Herzen liegt, weil es ein echter Vorstadtbasar ist, der musste leider aus Krankheitsgründen ausfallen, schade.
    Der wäre genau so gewesen wie du sagst, gemütlich, familiär und weihnachtlich.
    Liebe Grüße
    Heike

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