Mittwoch, 2. Dezember 2015

Lange drumherum geschlichen und nun...

...doch endlich mal ausprobiert.

Die Rede ist von SnapPap...dem waschbaren Papier. Okay...Papier kann man eigentlich ja immer waschen, nur wie es nach dem Waschen aussieht ist eine andere Frage. Man denke da nur an mitgewaschene Papiertaschentücher;-).
Manchmal ist auch die Rede von veganem Leder...okay...ich bin jetzt kein Veganer, schon gar nicht ein bekehrender, fanatischer Veganer, aber die Idee klingt ja zunächst ganz nett.

Hält denn SnapPap nun alles was es verspricht, habe ich mich jedoch ständig gefragt?
(Infos dazu findet man übrigens reichlich HIER).
Und ich klickte mich des öfteren durch Designbeispiele, las hier und da, aber manches muss man eben doch selber mal ausprobieren. Also bestellte ich mir letztens mal zwei Farben, jeweils 50 cm. Ausschlaggebend für mich war auf jeden Fall, diese tolle Tasche hier von pigugi (vielen Dank für diese Inspiration!!!). Da wirkt das SnapPap wie richtiges Leder, wie in vielen anderen Beispielen auch, aber das fand ich jetzt SEHR überzeugend.

Nun, meine gewünschten Farben (hell- und dunkelbraun, bei Snaply erscheinen die Farben auf den Einzelbildern viel zu blaß, im Kombibild passt es deutlich besser!) wurden in einer Papprolle auch sehr schnell geliefert. Ich packte aus und dachte als erstes: "Okay, wie fester Tonkarton. Etwas steif und...hmmm...ja...schon irgendwie eben wie Pappe.
Mein nächster Gedanke: "Waschen hilft vielleicht, den Pappecharakter ein wenig zu vertreiben?!"
Also, schnell die Maschine angesetzt (ich habe es jetzt mal vorsichtshalber separat gewaschen). Danach herausgeholt und noch feucht den Grifftest gemacht...etwas weicher, leicht glitschig. Ob ich es danach im Trockner oder auf der Leine hab' trocknen lassen weiß ich jetzt gar nicht mehr...geht wohl beides. Allerdings war das SnapPap nach dem Trocken doch wieder recht fest und hart im Griff...es kann seinen Pappcharakter also leider immer noch nicht leugnen.

Beim Zuschneiden verhält es sich recht willig..egal ob mit Schere (besser nicht die Stoffschere nehmen...ist ja Papier!) oder Rollschneider...beides geht recht gut und schnell.
Erste Nähversuche an Reststücken zeigen auch: Nähen geht auch recht gut. Nachdem meine Schnittteile für den Matchbag zugeschnitten waren, war die Frage...muss ich das SnapPap noch  irgendwie mit Volumenvlies verstärken? Ich entschied mich für nein und das war auch gut so...also verstärkte ich nur die Innenfutterteile um der Tasche an sich mehr Stand zu geben.
Das Nähen von Stoff und SnapPap an den Übergängen ging auch problemlos...etwas schwieriger gestaltet sich das Umlegen der Nahtzugabe zum Absteppen. Man faltet eben quasi wie Pappe. Ach ja...und mit Stecknadel stecken lässt sich das Material nicht, die Löcher der Stecknadeln wären im nachhinein unverzeihlich zu sehen :-(. Für mich, der sehr viel steckt eher schlecht...aber man kann ja auf diese Clipse zugreifen, dann geht es.
Die geraden Nähte waren schnell genäht, wie sollte es nun aber mit dem leicht ovalen Boden aussehen...das Runde muss in das Eckige...nicht nur beim Fussball...bei Taschen manchmal auch. Das gestaltete sich etwas schwierig, denn SnapPap istkaum bis gar nicht dehnbar, was gerade beim Legen in Kurven äußerst schlecht ist. Auch das Einschneiden bis kurz vor die Naht ist nicht wirklich eine Lösung ...man kommt dann zwar um die Kurve, aber die Naht "wirkt" im Anschluss etwas eckig. Leider ist es mir so nicht gelungen, den Boden faltenfrei einzunähen...und das liegt nicht am Ebookschnitt, das passt alles prima von den Maßen. Dadurch, dass SnapPap in dieser Beziehung etwas unwillig ist kann man gerade in Kurven nicht akurat genug nähen.

Inzwischen hatte ich erfolgreich eine Innen- und Außentasche gefertig und musste sie nur noch oben am Rand zusammennähen. Leider war der Umfang der Innentasche minimal kleiner als der der Außentasche (okay, meine Schuld...hätte genauer nähen sollen). Stoff; echtes Leder oder auch Kundleder hätte mir das verziehen, weil da geht dehnen immer ein bisschen....bei SnapPap hilft es nichts, da kann man ziehen und ziehen wie man will...da dehnt sich nichts:-(...hilft nur trennen. Aber ohweh...ich hatte die Seitennähte schon abgesteppt und unschöne Löcher, die nicht mehr verschwinden. Naja...muss ich mit leben...
Wenden der Tasche ist aufgrund des recht starren Materials umständlich, mit ausreichend großer Wendeöffnung jedoch machbar.
Das Absteppen der oberen Kannte ließ mich insbesondere an den Nähten den Atem anhalten...immerhin kommen da acht Lagen SnapPap zusammen. Geht...wenn auch langsam...und mit viel "Handarbeit"...also Nadel von Hand absenken, arbeitet

Was mir gut gefiel sind die kleinen Details die sich mit SnapPap zaubern lassen. So konnte ich schön meinen Klecks ausstanzen und als inverses Label aufnähen. Auch das Einfassen der Gurtbandenden fand ich eine hübsche Idee.





Schwieriger hingegen gestaltete sich jedoch das Einschlagen der Ösen..wobei das Einschlagen schon gut ging, aber das Einsetzen der Ösen in das ausgestanzte/geschnittenen Loch ist nicht so einfach...denn, ihr erinnert euch SnapPap dehnt sich so gut wie nicht, d.h. das Loch muss schon sehr exakt zur Öse passen.

Mein Matchbag ist fertig und von der Stoffkombination finde ich ihn auch toll (Stoffe übrigens von Mira's) ...und auf Fotos sieht das SnapPap auch wirklich gut aus. Aber was Fotos nicht vermitteln können ist die "Haptik" des Materials. Nach wie vor ist es steif und recht störrisch. Es fehlt ihm die Geschmeidigkeit von echtem Leder oder auch von Kunstleder. Durch die fehlende Geschmeidigkeit ist es auch "irgendwie laut"  im Gebrauch.

Mein Fazit: Es ist durchaus ein interessantes Material...für Taschen aber eher zu starr, es sei denn man möchte sich die Steifheit zu Nutze machen. Man bedenke aber...so eine Tasche schmiegt sich beim Tragen nicht um den Körper...sie steht eher ab.
Für Details wie Label, die man stanzen, bedrucken, bemalen kann finde ich es toll, denn man kann SnapPap prima waschen, Leder würde da vergleichsweise hart werden auf Dauer. Feste Utensilos könnte ich mir daraus noch gut vorstellen, wobei da das schlechte Wenden keine Vergnügen sein kann. Für alles was später jeodch eher geschmeidig sein soll ist es nicht geeignet.
Dennoch gefällt mir meine Tasche sehr...





....würde sie aber beim nächsten Mal mit täuschend echtem Kunstleder (was ja im Grunde auch vegan ist...oder?) nähen.

Ich hoffe euch hat mein Exkurs in Sachen SnapPap gefallen, ich habe das Material selbst erworben und nicht für Werbezwecke zur Verfügung gestellt bekommen...daher vielleicht auch etwas subjektiver berichtet;-). Schade nur, dass ihr nicht fühlen könnt. Hätte ich das Material zuvor mal gefühlt...ich hätte es für diesen Zweck nicht gewählt!

Lieben Gruß Uschi




Kommentare:

  1. Mist jetzt ist der Kommentar gelöscht - wenn doppelt, bitte einen nach Wahl löschen ;)

    Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht, alelrdings nur bei einem kleinen Projekt, dass mich so gefrustet hat, dass ich das Zeug erst einmal eingemottet habe.
    Ich habe mir allerdings das weiße geholt, um zu sehen, wie es auf Malaktionen reagiert... aber irgendwann mal, wenn ich mehr Zeit ud wieder Lust habe...

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Nein...nix doppelt :-)...alles gut!

      (zum Malen aber doch eigentlich zu teuer...oder?)

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  2. vielen dank für deine subjektive meinung! sonst liest man ja fast nur super-positive dinge über dieses material.
    lg, catharina

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