Samstag, 4. Februar 2017

Die Projekttage zum Thema "Umwelt und Nachhaltiglkeit"...

...an der Schule unserer Kinder sind nun schon vorbei. Ich hatte hier schon geschrieben, wie die "Henne zum Ei", bzw. ich zu einem eigenen Projektkurs kam. Und am Mittwoch und Donnerstag war es nun soweit.


Meine "Koffer" waren gepackt und ich hatte mehrmals kontrolliert, ob ich auch an alles gedacht hatte.
Für den Fall, dass es doch Schüler gibt, die ohne Nähmaschine dabei sind oder auch für den Fall, dass Nähmaschinen streiken hatte ich auch meine beiden Maschinen mit im Gepäck...


...und eben alles, was man sonst so braucht;-).

Ich gebe zu, ich war ganz schön aufgeregt einmal für zwei Tage in die Rolle einer "`Lehrerin" schlüpfen zu müssen. Aber die Aufregung verflog schnell und die Schüler und Schülerinnen waren allesamt hochmotiviert.

Zuerst haben alle ihre Maschinen aufgebaut und "eigentlich" sollten sie das Einfädeln und erstes Nähen zuhause schon geübt haben...eigentlich;-). So gab' es am ersten Tage bei manchen Schülern zunächst ein paar Startschwierigkeiten. Schwergängige Maschinen, falsche Unterfadenspulen, Unterfadenspulen falsch eingelegt, krumme Nadeln, fehlende Abdeckungen der Spule, falsch eingefädelter Oberfaden, nicht korrekt eingestellte Fadenspannung, und, und, und....


Unterschidlicher, wie oben im Bild, können Nähmaschinen fast nicht sein: David gegen Goliath, leider verlor hier David und es war gut, dass ich Goliath mitgenommen hatte.

Daher meine erste Erkenntnis: Es braucht einiges an Erfahrung, um fremde Maschinen ans laufen zu bringen!  Bis auf zwei Maschinen ist es mir auch gelungen und selbst die Kunstlehrerin, die mir während des ersten Tages zur Hand ging, fragte mich mehrmals: "Wie haben Sie das jetzt gemacht?" Zauberhände halt;-).

Irgendwann konnten wir dann aber durchstarten und mit einem einfachen Schlüsselband nach diesem Video verschaffte ich mir ein Bild über die unterschiedlichen Fähigkeiten. Das klappte dann recht schnell und gut!


Dann durften sich die Schüler aussuchen welche Projekte sie von nun an in Angriff nehmen wollten. Manche hatten eigene Ideen, bei denen ich mit Rat und Tat zur Seite stand, andere wählten aus den vorbereiteten Sachen etwas aus.



Und ganz schnell entstand in dem großen Kunstsaal das uns allen bekannte Nähchaos;-)


 


Als es um 12 Uhr zur Mittagspause klingelte, ging ein Raunen durch den Kurs: "Oooh, schon so spät?"
Alle waren so vertieft in ihre Nähprojekte, dass sie die Zeit völlig vergessen hatten (kennen wir doch alle, oder?) und ein paar der Schüler fragten, ob wir denn wirklich eine Stunde Pause machen müssten. Man kann also sagen...ich hatte sie nach knapp vier Stunden mit dem Nähvirus infiziert;-).

Viel zu schnell ging dann die restliche Zeit bis 14:30 Uhr zuende.

Am nächsten Tage erschienen alle Schüler pünktlich und es ging sofort weiter. Angefangene Dinge wurden mit viel Eifer zu Ende gebracht. Und ich hatte den Eindruck, dass ich die Schüler ganz gut in die Spur gebracht hatte. Vieles wurde inzwischen alleine bewältigt (z.b. das Einfädeln der Maschinen!) und auch manche Nähschritte waren verinnerlicht.

Mein schönster Moment des Tages war jener:
Eine Schülerin kam ohne Vorkenntnisse in den Kurs, sie hatte noch nie zuvor genäht und war in allem sehr zögerlich. Sie fragte mich am ersten Tag, ob es denn schwierig wäre so ein "Patch mit Liebe Kissen" zu nähen. Ich sagte: "Nein, an sich sind das nur gerade Nähte, das bekommst du sicher hin!" Sie sah mich etwas zweifelnd an, aber ich schickte sie siegessicher zum Stoffe aussuchen.
Und was soll ich sagen, sie hat sich durchgebissen...sie kämpfte mit der Stoffauswahl, sie haderte mit dem Design, aber, sie sah ihr Projekt auch wachsen.


Am Ende des ersten Tages hatte sie die Kissenfront fertig. Am zweiten Tag ging es dann an die Rückseite, zweiteilig mit Knopfverschluss. Das wollte ihr erst so gar nicht einleuchten, wie sie die Stoffe da zu schneiden und zu legen hatte. Aber Schritt für Schritt führte ich sie zum Ziel. Zusammen stopften wir dann zum Schluss die Füllung ins Kissen und sie drehte es um, betrachtet ihr Werk und sie fing über das ganze Gesicht an zu strahlen, guckte mich nochmal an, guckte das Kissen noch mal an und sagte mit vollster Überzeugung: "Boah, jetzt bin ich aber voll stolz!"
YEAH...Ziel erreicht würde ich sagen!!!


Da, links am Rand liegt es...das hat sie doch wirklich toll gemacht! Aber auch die anderen Schüler waren richtig kreativ, einige Dinge sind auf dem Bild zu sehen, vieles habe ich leider nicht fotografiert. Das meiste ist aus abgelegter Kleidung oder Stoffresten entstanden, so dass wir auch dem Thema der Projekttage im Sinne der "Nachhaltigkeit" entsprachen.

Als ich dann am Ende des Tages fragte, ob es denn Spaß gemacht hätte und ob es ihnen denn gefallen hätte, sagte eine Schülerin: Doch, das war total klasse. Endlich mal Schule, die Spaß gemacht hat!

Spaß hatte ich auch, auch, wenn ich mir den Mund fusselig geredet habe, bei all den Erklärungen, die ich abgeben musste und auch, wenn man mir kaum eine Pause ließ, es war toll zu sehen, dass man junge Menschen doch für etwas motivieren und bewegen kann. Auch das Untereinander unter den Schülern (es war ja jahrgangsübergreifen von Klasse 5 bis zur Q1) war sehr harmonisch, man ging sich zur Hand und alle halfen beim Aufräumen...toll, toll, toll!

Ein Dankeschön an die Schulleitung, die der Q2 (dem Jahrgang unseres Sohnes) die Organisation der Projekttage anvertraut hat. Es lief sicher nicht alles ganz glatt, aber den Schulalltag mit über 700 Schülern mal eben so zu managen ist ja auch eine beachtliche Aufgabe. Ein Dankeschön auch an die Lehrer und die Schüler der Q2, die mit Rat und Tat zur Seite standen.
Auch hier nochmal mein Dank an farbenmix, Kunterbunt-design und WasEigenes für eure Unterstützung....die Schüler haben sich sehr über die Spenden und das Ebook gefreut.


Ich würde es wieder machen....okay, vielleicht nicht gerade direkt am Montag und vielleicht auch nicht jeden Tag;-). Lehrer sein ist eben doch nicht so leicht wie man manchmal denkt.


Gruß Uschi

Kommentare:

  1. Oha! So etwas habe ich auch schon hinter mir. Ein Taschennähprojekt. Mit dem grottigstem Schulmaterial, das man sich denken kann, wie defekte und verstellte Nähmaschinen, stumpfe Scheren etc. Da kam dann sehr viel aus meinem Privatbesitz zum Einsatz, einschließlich meiner eigenen Nähmaschine, damit wir überhaupt etwas zustande brachten.
    Hast es gut gemeistert, liebe Uschi, bist halt Profi;-)
    Liebe Grüße von Inken

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  2. Das hört sich echt nach einer tollen Projekt-Zeit an! Bei uns war das leider zu oft lieblos gemacht, so wie wenn man irgendjemandem sagt, du musst dir jetzt was ausdenken und demjenigen fällt es erst am Tag zuvor wieder ein... Beim Lesen deines Berichtes fühlte es sich fast so an als wäre man dabei gewesen. Ich hatte zumindest Kopfkino und bin an dieser Stelle etwas traurig, später nur "die kleinen" zu haben.
    Liebe Grüße, Nadine

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  3. Hallo Uschi,
    bei uns an der Schule findet seit drei Jahren in der Projektwoche auch ein "Näh-Kurs" statt. Wir bekommen die Maschinen von Bernina zur Verfügung gestellt, die -so habe ich es verstanden- für solche Projekte- ausgeliehen werden können.
    Vielleicht kannst Du bei dem Händler Deines Vertrauens mal nachfragen.
    LG Irina

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